Wie komme ich an die Medikamente?
Auch wenn es schwerfällt: Christian Wülfing rät dazu, bei Potenzproblemen offen mit dem Arzt zu sprechen, statt das Mittel aus unseriösen Quellen aus dem Internet zu besorgen – und dort mitunter an Fälschungen zu geraten. Wer zu große Scham besitzt, könnte alternativ auch eine seriöse telemedizinische Plattform mit einer Videosprechstunde wählen und sich das Medikament unauffällig über eine Versandapotheke zuschicken lassen. Bezahlen muss man übrigens immer selbst, die Krankenkasse übernimmt die Kosten für Potenzmittel nicht.
Warum nehmen Erektionsprobleme im Alter zu?
Ab etwa 60 Jahren geht es bei vielen los: Dass vor allem Ältere Potenzmittel benötigen, um befriedigenden Sex haben zu können, hängt oft mit bestimmten gesundheitlichen Probleme zusammen, die sich im Alter zeigen. So können Durchblutungsstörungen, Diabetes mit Gefäßschäden oder Arteriosklerose für eine erektile Dysfunktion verantwortlich sein.
Für wen sind die Potenzmittel nichts?
Es gibt Männer, für die diese Medikamente nicht infrage kommen: etwa nach bestimmten Operationen wie bei Prostatakrebs, einem Enddarm-Karzinom oder zum Teil auch bei Bestrahlungen, die die Nerven schädigen. Um das Glühbirnenbild von Urologe Wülfing zu bemühen: „Der Strom muss fließen. Wenn die Kabel durch sind, dann kann auch die Glühbirne nicht mehr brennen.“
Die Gruppe jener, die die Medikamente aufgrund gesundheitlicher Risiken nicht nehmen dürfen, ist übrigens überschaubar: „Bei Medikamenten mit der Wirkstoffgruppe der Nitrate, die bei speziellen Herzproblemen verabreicht werden, sollte man sie aufgrund von Wechselwirkungen nicht verordnen“, sagt Wülfing.
Die Ansage, Viagra wäre grundsätzlich bei Bluthochdruck oder Herzerkrankungen gefährlich, sei Quatsch. „Für die allermeisten ist das wirklich unkritisch. Wenn sie in der Lage sind, einen Sexakt kräftemäßig zu gestalten und sich fit fühlen, warum sollten sie dann nicht ihre Lebensqualität mit Sexualität verbessern?“, so der Mediziner.
Nebenwirkungen seien eher nicht zu befürchten: „Die meisten Männer vertragen es absolut gut. Selten kommt es mal zu Kopfschmerzen oder einer verstopften Nase.“
Wann sollte ich das Mittel einnehmen? Und wie lange wirkt es?
Als grobe Faustregel gilt: eine Stunde vor dem Sex. „Das ist natürlich von Mann zu Mann unterschiedlich“, sagt Wülfing. „Mal wirkt es nach 30 Minuten, mal nach 90.“
Und dann kommt es noch auf die ganz individuellen Pläne und Vorlieben an, die auch bestimmen, welcher Wirkstoff der richtige ist. „Es gibt Männer, die haben immer sehr regelmäßig zum ähnlichen Zeitpunkt Sex. Dann ist Viagra die richtige Wahl – mit einer Wirkung von etwa drei Stunden“, sagt der Experte.
