Rätselhaftes Kapital?
Frau von Windkraftbetrüger gründet Firma in Berlin
08.09.2026 – 17:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Hendrik Holt ist auf der Flucht, gegen ihn läuft ein Insolvenzverfahren mit Forderungen von 40 Millionen Euro. Kurz vor seiner Flucht entstand eine Firma.
Die Frau des verurteilten Windkraftbetrügers Hendrik Holt hat Ende April eine GmbH in Berlin gegründet. Das Holt Family Office verfügt laut Handelsregister über ein Stammkapital von einer Million Euro. Darüber berichten unter anderem die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“.
Für die Gründung einer GmbH schreibt das Gesetz lediglich 25.000 Euro Mindestkapital vor. Laut dem aktuell einsehbaren Gesellschaftervertrag ist der Unternehmenszweck die Verwaltung eigenen Vermögens sowie der Handel mit Luxusgütern und Kunstgegenständen. Woher das Stammkapital stammt, ist nicht bekannt.
Team von Insolvenzverwalter im Austausch mit der Polizei
Insolvenzverwalter Malte Köster teilte mit, sollte das Geld von Hendrik Holt stammen, habe er es ihm nicht mitgeteilt. Über Holt war nach seiner Verurteilung wegen Betruges ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Forderungen gegen ihn belaufen sich laut Köster auf 40 Millionen Euro, hauptsächlich von betrogenen Investoren.
Seine Kanzlei verfolge die aktuellen Entwicklungen um Holt mit großer Aufmerksamkeit, das Holt Family Office sei bekannt. Kösters Team steht nach seinen Angaben im Austausch mit Ermittlern und hatte zuletzt fortlaufend Kontakt zu Holts Anwalt.
Holt sollte mehrere Jahre in Haft
Das Landgericht Osnabrück hatte Holt 2022 unter anderem wegen bandenmäßigen Betrugs zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von knapp neun Jahren verurteilt. Er hatte ausländische Energiekonzerne in nicht existierende Windparkprojekte gelockt und dabei einen Schaden von mehreren Millionen Euro verursacht.
Seit Oktober 2024 befand er sich im offenen Vollzug. Ende August kehrte er von einem genehmigten Ausgang nicht mehr in die Berliner Justizvollzugsanstalt zurück und ließ seine Frau und sein Kind zurück. Seither wird er weltweit per Europäischem Haftbefehl gesucht. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück teilte zuletzt mit, es gebe inzwischen „Erkenntnisse“, machte aber keine näheren Angaben.
Auffällige Adresse des Holt Family Office in Berlin
Auffällig ist zudem die Adresse des Holt Family Office: Die Firma teilt sich ihren Sitz zwischen dem Potsdamer Platz und dem Tiergarten mit der Investmentfirma Crisp Partners. Holt soll 2025 den Verkauf des zivilen Teils des Flughafens Rostock an Crisp Partners vermittelt haben. Die Geschäftsführerin der Investmentfirma, Ira Lauth, ließ über ihre Anwältin mitteilen, sie habe „keine Kenntnis von dem Unternehmenssitz des Holt Family Office“.
An der Adresse betreibe ein Bürodienstleister einen Standort, an dem Dutzende Unternehmen registriert seien. „Herr Holt hat sich zu keinem Zeitpunkt in den Geschäftsräumen der Crisp Partners GmbH aufgehalten“, hieß es weiter.
Beziehung bereits bestätigt
Karsten Lauth, Projektleiter von Crisp Partners und Ehemann von Ira Lauth, hatte die Beziehung zu Holt sowie dessen Vermittlerrolle beim Flughafendeal bereits kurz nach der Flucht bestätigt. Er und seine Frau würden Holt aus Berliner Netzwerken kennen. „Es ist aber mitnichten so, dass Holt an dem Flughafen oder Crisp Partners beteiligt wäre“, betonte er.
