Wahl in Sachsen-Anhalt

Forsa-Chef: Absolute Mehrheit für AfD ist „durchaus möglich“


28.06.2026 – 11:11 UhrLesedauer: 2 Min.

Ulrich Siegmund (AfD): Der Fraktionsvorsitzende der Rechtspopulisten könnte der erste AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden. (Quelle: IMAGO/Christian Schroedter)

Meinungsforscher Manfred Güllner warnt vor einer absoluten Mehrheit der AfD in Sachsen-Anhalt. Er nimmt die demokratischen Parteien in die Pflicht.

Der Chef des Forsa-Meinungsforschungsinstituts, Manfred Güllner, will eine absolute Mandatsmehrheit der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September nicht ausschließen. „Das ist durchaus möglich“, sagte der Meinungsforscher dem „Tagesspiegel“. Allerdings sei ein solches Wahlergebnis nicht unausweichlich.

Nach Güllners Einschätzung hängt das Ergebnis entscheidend davon ab, ob die Parteien der politischen Mitte ihre potenziellen Wähler an die Urnen bringen. „Die Parteien der Mitte in Sachsen-Anhalt müssen diese Menschen zur Wahl motivieren, um den Durchmarsch der AfD zu verhindern“, sagte er. Eine absolute Mehrheit sei nicht allein auf die Stärke der AfD zurückzuführen. „Nur durch die Schwäche von CDU und SPD wäre ein solcher AfD-Sieg möglich.“

Forsa-Chef: SPD und CDU schöpfen Wählerpotenzial nicht aus

Zur Begründung verwies Güllner auf das Wählerpotenzial der AfD. Im Westen könnten sich nach seinen Angaben 24 Prozent der Wahlberechtigten vorstellen, die Partei zu wählen, im Osten seien es 41 Prozent. Zugleich bedeute das aber auch, dass sich knapp 60 Prozent der Ostdeutschen eine Stimme für die AfD nicht vorstellen könnten.

Bundesweit wollen laut Güllner derzeit rund 20 Prozent der Wahlberechtigten die AfD wählen. Weitere acht Prozent könnten sich dies grundsätzlich vorstellen. Dieser Wert sei in den vergangenen Wochen trotz anhaltender Unzufriedenheit mit der Bundesregierung nicht gestiegen. Daraus schließt der Meinungsforscher, dass die AfD einen großen Teil ihres derzeitigen Wählerpotenzials bereits ausgeschöpft haben könnte.

Kritisch äußerte sich Güllner auch zur Lage von Union und SPD. Beide Parteien schöpften ihr Wählerpotenzial nicht aus. Viele Menschen seien grundsätzlich CDU, CSU oder SPD zugeneigt, fühlten sich jedoch vom derzeitigen personellen und inhaltlichen Angebot nicht angesprochen. Für die SPD macht Güllner unter anderem den langjährigen Fokus auf Mindestlohn und Bürgergeld mitverantwortlich. Dadurch habe die Partei nach seiner Einschätzung viele Beschäftigte in regulären Arbeitsverhältnissen verloren.

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