Nach Vorwürfen
Linken-Politiker zieht sich ganz aus Innenausschuss zurück
Aktualisiert am 30.09.2026 – 18:40 UhrLesedauer: 2 Min.
Einem Politiker wird Nähe zu mutmaßlichen Clan-Angehörigen vorgeworfen. Nun zieht er Konsequenzen.
Der Berliner Linke-Abgeordnete Ferat Koçak hat seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags niedergelegt. Zuvor hatte er die Mitarbeit im Ausschuss wegen Vorwürfen über Kontakte zu Angehörigen des Clan-Milieus bereits ausgesetzt.
Auf der Plattform X begründete Koçak den Schritt mit Rücksicht auf seine Fraktion: „Ich möchte nicht, dass meine Kolleginnen und Kollegen und ihre wichtige parlamentarische Arbeit durch Angriffe auf meine Person zusätzlich belastet werden“, schrieb er. Zugleich wies er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück: „Ich bin weder kriminell noch unterstütze ich organisierte Kriminalität.“ Gleichzeitig räumte er ein Fehlverhalten ein: „Ich habe einen Fehler gemacht. Im Umgang mit meinem Kontakt zur Familie Remmo bin ich meinem Selbstverständnis nicht gerecht geworden. Ich war in der konkreten Situation naiv und mit der Situation überfordert. Dafür übernehme ich Verantwortung.“
Das sind die Vorwürfe
Auslöser der Kritik waren freundschaftliche Chatnachrichten, die Koçak nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus mit einem Sohn einer dem Clan-Milieu zugeordneten Großfamilie ausgetauscht hatte. Dem von diesem veröffentlichten angeblichen Inhalt zufolge bat Koçak darin auch um Mithilfe von „allen euren Leuten“ bei der Verbreitung eines Videos von ihm. Koçak hatte dies bereits zuvor als Fehler bezeichnet.
Zusätzlich geriet er in die Schlagzeilen, weil er auf Fotos in sozialen Medien auf einer Wahlparty der Linken neben Ibrahim Ibrahim zu sehen war. Nach Angaben des Vereins democ, der sich mit demokratiefeindlichen Bewegungen beschäftigt, sei dieser ein langjähriger Aktivist der Volksfront für die Befreiung Palästinas. Die Organisation ist in der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.
Koçak war bei der Bundestagswahl 2025 erstmals in den Bundestag eingezogen, nachdem er das Direktmandat im Berliner Bezirk Neukölln gewonnen hatte. Zuvor gehörte er der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus an. Der Begriff Clankriminalität ist umstritten: Kritiker sehen darin eine Stigmatisierung von Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft. Auch die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.
