Ceuta-Diskussion bei „Lanz“
Experte: „Das Asylrecht wird schon ausgehöhlt“
21.08.2026 – 04:11 UhrLesedauer: 3 Min.
Bei Markus Lanz geht es um den Ansturm auf Ceuta und seine Folgen. Migrationsexperte Daniel Thym sieht das individuelle Asylrecht in der EU vor dem Aus.
Drei Wochen nach dem Massenansturm von bis zu 80.000 Migranten aus Marokko auf die spanische Exklave Ceuta machte Markus Lanz den Kontrollverlust noch einmal zum Thema. Mit der Frage, wie es zu dem Stresstest für die Europäische Union überhaupt kommen konnte, wandte er sich zunächst an Hans-Christian Rößler.
„Die eine Erklärung gibt es nicht“, antwortete der „FAZ“-Korrespondent. Er vermutete, dass der Sicherheitsapparat schlichtweg überrascht wurde und die Wucht der sozialen Netzwerke sowie die Wut der Generation Z unterschätzt hatte. Dass es sich um eine gezielte Sabotageaktion Marokkos gehandelt haben könnte, hielt er für unwahrscheinlich – allein schon, weil das Land sich um die Austragung des Fußball-WM-Endspiels 2030 in Casablanca bewerbe und einen derartigen Imageschaden nicht gebrauchen könne.
Die Gäste
- Dennis Radtke (CDU), Europaabgeordneter
- Hans-Christian Rößler, Journalist („FAZ“)
- Kerstin Münstermann, Journalistin („Rheinische Post‘)
- Daniel Thym, Migrationsexperte
Mehrfach spielte Markus Lanz Aufnahmen von der Ankunft der Migranten ein, um auf „die Macht der Bilder“ zu sprechen zu kommen. „Man kann diese Bilder so deuten, dass die Festung Europa an diesem Tag erklommen wurde“, stellte Journalistin Kerstin Münstermann fest, „auch wenn es nicht das europäische Festland war.“ Nicht umsonst habe US-Präsident Donald Trump in dem Zusammenhang gleich von einer „Invasion“ gesprochen. Der Migrationsexperte Daniel Thym führte die große Nervosität, die sich in vielen europäischen Ländern sofort ausgebreitet habe, auf die „unheimliche Furcht“ zurück, „dass so etwas wie 2015 noch einmal passiert“. Damals waren mehr als eine Million Menschen vor dem Bürgerkrieg in Syrien sowie den Konflikten in Afghanistan und dem Irak in die EU geflüchtet.
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CDU-Mann Dennis Radtke kritisiert Kanzler Merz
„Es treibt mich um, wie die Macht der Bilder eingesetzt wird“, erklärte CDU-Politiker Dennis Radtke. Europäische Solidarität hätte für ihn bedeutet, zu fragen, wie man Spanien helfen könne – statt wie die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in den „üblichen Reflex“ zu verfallen und die spanische Migrationspolitik zu kritisieren. „Den Reflex hatte Ihr Kanzler auch“, bemerkte Markus Lanz in Anspielung auf den von Friedrich Merz mitunterzeichneten Brief von 22 EU-Staaten an Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez. „Das macht es nicht besser“, blieb Radtke bei seiner Auffassung. Er erwarte von europäischen Regierungschefs „einen kühlen Kopf“, zumal es sich um eine völlig andere Situation als 2015 gehandelt habe.
