„Wirtschaftliches Wachstum ist anhaltend schwach“

Chemiekonzern streicht Tausende Arbeitsplätze

18.06.2026 – 22:51 UhrLesedauer: 2 Min.

Evonik will bis 2029 Tausende Stellen abbauen. (Archivbild) (Quelle: Federico Gambarini/dpa/dpa-bilder)

Schwaches Wachstum und härterer Wettbewerb: Der Essener Konzern Evonik weitet seinen Umbau aus. Besonders Deutschland ist betroffen.

Der Spezialchemiekonzern Evonik hat angekündigt, zwischen 2027 und Ende 2029 weltweit 3.200 weitere Stellen zu streichen. Davon entfallen 2.150 Arbeitsplätze auf Deutschland. Das geht aus einer Mitteilung des Essener Unternehmens hervor.

Vorstandschef Christian Kullmann begründete den Schritt mit dem schwierigen Umfeld: „Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach.“ Zugleich werde der internationale Wettbewerb immer härter. Der Vorstand und die Sozialpartner hätten sich auf Maßnahmen verständigt, die alle Geschäfts- und Verwaltungseinheiten weltweit einbeziehen. Evonik sieht Potenzial durch mehr Effizienz, Digitalisierung und Auslagerung von Aufgaben. Auch eine Verlagerung von Verwaltungsteilen ins Ausland soll geprüft werden.

Konzern hat mehr als 30.000 Angestellte

Der neue Stellenabbau kommt zu bereits laufenden Sparprogrammen hinzu: Bis Ende 2026 sollen dadurch rund 2.800 weitere Stellen wegfallen. Ende März 2026 beschäftigte Evonik 30.643 Mitarbeiter, gut 900 weniger als ein Jahr zuvor.

Personalvorstand Thomas Wessel sagte, der Stellenabbau werde „auch künftig sozialverträglich gestaltet“. Die genauen Details sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden.

Zusätzlich stellt Evonik sein Polyester-Geschäft ein, das einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro erzielt. Das Geschäftsfeld sei seit Jahren nicht mehr profitabel, teilte das Unternehmen mit. Der Standort Witten mit 266 Beschäftigten soll 2027 geschlossen werden. Am Standort Marl fallen 45 Stellen weg, in der Produktionsanlage im chinesischen Shanghai 35 weitere.

Evonik-Chef Christian Kullmann baut den Konzern schon seit Jahren um, um ihn robuster aufzustellen und um in zukunftsträchtigere Geschäftsfelder zu expandieren. (Archivbild) (Quelle: Oliver Berg/dpa/dpa-bilder)

Kullmann baut Evonik seit Jahren um. Das Unternehmen zieht sich aus Massengeschäften zurück und will sich auf zukunftsträchtigere Felder konzentrieren. So strebt Evonik die Trennung vom Geschäft mit Standardchemikalien der Sparte Performance Materials an. Dazu zählt neben dem bereits verkauften Superabsorber-Bereich auch der sogenannte C4-Verbund, der petrochemische Zusätze für Kautschuk, Kunststoffe und Spezialchemikalien umfasst. Die verbleibenden Chemiegeschäfte hat Evonik in zwei Sparten gebündelt: Custom Solutions, das unter anderem Produkte für die Kosmetik- und Pharmaindustrie herstellt, sowie Advanced Technologies, wo Hochleistungskunststoffe, Wasserstoffperoxid und Ergänzungsmittel für Tiernahrung produziert werden.

An der Börse reagierten Anleger mit Zurückhaltung: Die Evonik-Aktie verlor am Donnerstag bis zum Handelsschluss 3,2 Prozent. Innerhalb eines Jahres hat das Papier gut 17 Prozent an Wert verloren, seit Jahresbeginn steht jedoch noch ein Plus von rund 14 Prozent.

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