Tropische Tiere auf Sylt

Segelquallen-Schwarm an Nordseestrand gespült


28.08.2026 – 12:20 UhrLesedauer: 2 Min.

Fast wie ein Objekt aus Glas: Die Segelqualle Velella velella lebt in subtropischen Gewässern, schafft es mittlerweile aber sogar bis in die kalte Nordsee. (Quelle: IMAGO/Jonathan Alcorn)

Ein faszinierendes Tier kommt zu Besuch an die Nordseeküste. Schwärme der Segelqualle in der Nordsee sind ein Zeichen für sich erwärmende Weltmeere.

Eine dunkelblaue Scheibe mit einem farblosen, durchsichtigen Segel darauf: So sieht die subtropische Segelqualle (Velella velella) aus. Eigentlich würden wir sie nur von Bildern kennen, doch mittlerweile treffen immer mehr Strandbesucher sie tatsächlich in unseren nördlichen Gefilden an. Wie der NDR berichtet, hat die Nordsee an den Stränden der Urlaubsinsel Sylt erstmals einen ganzen Schwarm der für Menschen ungefährlichen Segelquallen angespült.

Segelqualle ist Bote des Klimawandels

Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer sagte dem NDR, es sei ein Novum und ein Bote des Klimawandels, dass dieses „niedliche Naturwunder“ es über den Atlantik bis in die Nordsee schafft. Die Segelqualle brauche im Winter mindestens 14 Grad Celsius Wassertemperatur, die habe die Nordsee nicht. Das zeige aber, wie warm der Atlantik stellenweise geworden ist. Seiner Aussage nach wird die Qualle auch in der Zukunft auf Sylt „zu Besuch kommen“. Um sich fortzupflanzen, sei die Nordsee aber zu flach.

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So segelt Velella velella über die Ozeane: Es gibt rechts- und linkssegelnde Kolonien. Ein gleichgerichteter Wind zerteilt einen gemischten Schwarm je nach Stellung des Segels in linke und rechte Richtung, erklärt die Stiftung Meeresschutz. (Quelle: IMAGO/andrea izzotti)

Denn dazu müssen Segelquallen in die Tiefsee. Viel ist nicht über den Fortpflanzungszyklus von Velella velella bekannt. Die Forscher wissen aber, dass die entweder männlichen oder weiblichen Quallen sich nicht direkt vermehren. Sie schnüren winzige, etwa einen Millimeter große, kugelförmige Medusen ab. Diese sinken in große Tiefen von über 1.000 Metern und laichen dort am Meeresgrund. Im Zuge der weiteren Entwicklung bilden sich dann zur Wasseroberfläche aufsteigende Larven, die sich zu vollständigen Segelquallen entwickeln.

Was an den Segelquallen sonst noch faszinierend ist, hat die Deutsche Stiftung Meeresschutz zusammengefasst. So kann Velella velella, die nur wenige Zentimeter im Durchmesser misst, bei Windstärke 2 bis zu 0,37 km/h schnell werden. Bei guten Winden können die Tiere mehrere Kilometer am Tag segeln. Die intensive blaue Färbung des Körpers kommt von den mit der Beute aufgenommenen und verarbeiteten Carotinoid-Pigmenten. Die Farbe nutzen die Tiere die Farbe als natürlichen Sonnenschutz, damit sie an der Meeresoberfläche nicht verdampfen.

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