Todesfalle Landstraße

Viele Motorradfahrer unterschätzen dieses Risiko


22.07.2026 – 13:44 UhrLesedauer: 4 Min.

Ein Motorrad liegt nach einem Unfall auf der Straße (Symbolbild): Vor allem in Kurven kommt es immer wieder zu Unglücken. (Quelle: Benjamin Nolte/dpa)

Die meisten Motorradfahrer wissen, dass gerade Landstraßen besonders unfallträchtig sind. Doch eine Umfrage zeigt, dass dass das persönliche Risiko dennoch unterschätzt wird.

Fast jeder zweite Motorradfahrer hat auf einer Landstraße innerhalb der vergangenen zwei Jahre mindestens eine kritische Situation erlebt, in der ein Unfall nur knapp vermieden werden konnte. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) unter 501 Motorradfahrern. 45 Prozent der Befragten berichteten von mindestens einem solchen Beinahe-Unfall. Sieben Prozent waren im selben Zeitraum an einem Landstraßenunfall beteiligt.

Viele kennen die Gefahr – fühlen sich aber sicher

Die Ergebnisse zeigen einen Widerspruch: 89 Prozent der Befragten wissen, dass sich die meisten tödlichen Motorradunfälle auf Landstraßen ereignen. Dennoch empfinden 72 Prozent das Fahren dort als sicher.

DVR-Präsident Manfred Wirsch erklärt diese Diskrepanz mit einer Unterschätzung des persönlichen Risikos. „Jede unfallfreie Fahrt kann das Gefühl verstärken, unfehlbar zu sein und jede Situation im Griff zu haben“, sagt Wirsch. Routine und Selbstvertrauen seien zwar wichtig, aber „keine Lebensversicherung“.

Auch die Einschätzung einzelner Gefahren fällt unterschiedlich aus. Einen schlechten Straßenzustand halten 93 Prozent der Befragten für besonders riskant. Es folgen nasse oder glatte Fahrbahnen mit 91 Prozent, Wildwechsel und andere Hindernisse mit 90 Prozent sowie riskante Überholmanöver anderer Verkehrsteilnehmer mit 89 Prozent. Kurvige Straßen bewerten dagegen nur 56 Prozent als besondere Gefahr.

In Kurven passieren viele Alleinunfälle

Doch gerade dort ist das Risiko hoch. Nach einer Analyse des ADAC verlieren Motorradfahrer bei Alleinunfällen häufig auf kurvigen Streckenabschnitten die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Sie bremsen falsch, kommen von der Straße ab oder stürzen.

Motorrad-Kolonne: Vor allem in Gruppen überschätzen sich viele Fahrer. (Quelle: IMAGO/imago)

Der ADAC wertete dafür rund 2.500 schwere Verkehrsunfälle außerhalb geschlossener Ortschaften aus, an denen Motorradfahrer beteiligt waren. Rund ein Drittel davon waren Alleinunfälle. Bei diesen Unfällen waren Fahrfehler mit 47 Prozent die häufigste Ursache. In 39 Prozent der Fälle spielte eine nicht angepasste Geschwindigkeit eine Rolle. Nach Angaben des ADAC führt sie häufig in Kurven zum Unfall.

„Kurvenfahrten machen den besonderen Reiz des Motorradfahrens aus. Genau dort entscheidet sich aber auch, wie sicher man unterwegs ist“, sagt DVR-Präsident Wirsch.

Motorradfahrer haben ein höheres Unfallrisiko

In Deutschland sind nach Angaben des ADAC rund 4,7 Millionen Motorräder zugelassen. Gemessen an der durchschnittlichen Fahrleistung ist das Unfallrisiko mit einem motorisierten Zweirad deutlich höher als mit anderen Verkehrsmitteln.

Autofahrer legen laut ADAC durchschnittlich etwa 13.000 Kilometer pro Jahr zurück, Motorradfahrer rund 2.200 Kilometer. Auf Grundlage dieser Fahrleistung haben motorisierte Zweiräder ein vierfach höheres Risiko, an einem Unfall beteiligt zu sein. Die Zahl der Verunglückten je einer Milliarde gefahrener Kilometer ist demnach siebenmal so hoch.

Das Statistische Bundesamt verzeichnet laut ADAC jährlich mehr als 500 getötete und fast 10.000 schwer verletzte Motorradfahrer. 2021 war etwa jede fünfte im Straßenverkehr getötete oder schwer verletzte Person auf einem Kraftrad unterwegs.

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