Laut Studie

Antibiotika: Dieser Verzicht schützt womöglich vor Nebenwirkung


01.10.2026 – 14:31 UhrLesedauer: 2 Min.

Darmflora (Symbolbild): Die Einnahme von Antibiotika führt häufig zu Magen-Darm-Beschwerden. (Quelle: ChrisChrisW/getty-images-bilder)

Antibiotika können die Darmflora beeinträchtigen. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass viel Zucker diesen Effekt womöglich verstärkt.

Mit Antibiotika lassen sich Infektionen wirksam behandeln. Sie greifen aber nicht nur die krankmachenden Bakterien an, sondern auch nützliche Darmbakterien. Eine Forschungsarbeit aus den USA legt nun nahe, dass zuckerreiche Lebensmittel diese Störung während einer Antibiotika-Therapie verstärken könnten. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature“.

Gut zu wissen

Der Begriff Darmflora (auch Mikrobiom genannt) bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die den menschlichen Magen-Darm-Trakt und insbesondere den Dickdarm besiedeln. Als gesund gilt eine möglichst vielfältige Darmflora. Antibiotika können das mikrobielle Gleichgewicht nachhaltig beeinträchtigen. Zwar kann sich das Mikrobiom davon weitgehend wieder erholen, mitunter jedoch erst nach Monaten. Einzelne empfindliche Bakterienarten verschwinden aber womöglich dauerhaft.

Was wurde untersucht?

Für die Studie werteten die Forscher 9.419 Mahlzeiten von 173 Menschen mit Blutkrebs aus, die zur Behandlung Blutstammzellen eines Spenders erhielten. Diese Gruppe ist besonders anfällig für schwere Störungen der Darmflora. Alle nahmen während ihres Klinikaufenthalts mindestens ein Antibiotikum ein. Zusätzlich wurden mehr als 1.000 Stuhlproben analysiert.

Die Ernährung wurde während des Klinikaufenthalts genau dokumentiert. Studienautor Marcel van den Brink erklärt: „Anders als frühere Ernährungsstudien, die auf Erinnerungen der Patienten beruhen, hatten wir sorgfältige Ernährungsdaten, die in Echtzeit gesammelt wurden.“

Mehr Süßes, weniger Vielfalt

Das Ergebnis: Wer während der Antibiotika-Einnahme mehr Süßes konsumierte, verlor eher an bakterieller Vielfalt im Darm. Zugleich konnten sich bestimmte Mikroorganismen stärker ausbreiten, darunter Enterococcus. Dieser Keim kann nach einer Stammzelltransplantation mit einem höheren Risiko für schwere Komplikationen einhergehen.

Besonders deutlich war der Zusammenhang bei zuckerreicher Kost in Kombination mit Breitbandantibiotika: Pro 100 Gramm an Süßem zusätzlich sank die bakterielle Vielfalt um 24 Prozent.

Die Forscher überprüften ihren Verdacht zudem an Mäusen. Auch bei ihnen beeinträchtigten Antibiotika die Darmflora. Erhielten die Tiere ein Breitbandantibiotikum, führte das zu einer deutlichen Vermehrung von Enterococcus, die durch zusätzlichen Zucker noch verstärkt wurde und länger anhielt.

Noch keine Empfehlung für alle Patienten

Sollte man während einer Antibiotika-Behandlung also möglichst auf Zucker verzichten? Die Forscher sind hier zurückhaltend. Laut van den Brink sei es „noch zu früh, allen Menschen, die Antibiotika einnehmen, zu empfehlen, Zucker zu vermeiden“. Allerdings gelte zugleich: Den Zuckerkonsum zu begrenzen schade nicht – und sei einfach auszuprobieren.

Wichtig: Die Studie weist auf Zusammenhänge bei einer speziellen Patientengruppe hin. Ob sich die Ergebnisse ohne Weiteres auf Menschen übertragen lassen, die wegen einer gewöhnlichen Infektion Antibiotika einnehmen, bleibt daher offen. Hier sind weitere Studien nötig.

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