Kommunale Wärmeplanung

Deutsche Städte wollen weg vom Gas


30.06.2026 – 17:12 UhrLesedauer: 5 Min.

Gasleitung

Verlegung von Rohren für eine Anbindungsleitung ans deutsche Gasnetz (Archivbild): Die kommunale Wärmeplanung gibt Aufschluss darüber, wo Gas noch eine Zukunft hat. (Quelle: Sina Schuldt/dpa/dpa)

Die kommunale Wärmeplanung ist für deutsche Großstädte jetzt abgeschlossen. Ein Blick in die veröffentlichten Pläne zeigt, wohin die Reise gehen soll.

Am Dienstag endete die Frist für die sogenannte kommunale Wärmeplanung, zumindest in den deutschen Großstädten, die mehr als 100.000 Einwohner haben. Kleineren Gemeinden bleiben noch zwei Jahre Zeit, bis auch sie ihre Bürger darüber aufklären müssen, wie sie im Jahr 2045 klimaneutral heizen wollen.

Zum Fristende hat die Mehrheit der Städte rechtzeitig abgegeben, viele waren sogar schon vor Monaten fertig. Auch einige mittelgroße Städte haben die Wärmepläne schon abgegeben. Das zeigen die Daten des Kompetenzzentrums Wärmewende Halle, das alle Wärmepläne auf einer Webseite sammelt. Die Städte, die die Frist nicht geschafft haben, werden nach Angaben der „Zeitung für kommunale Wirtschaft“ (ZfK) ihre Pläne im Juli nachreichen.

Abschaffung des Heizungsgesetzes löst Unmut aus

Doch auch wenn die Planungen in vielen Ortschaften nun abgeschlossen sind, regt sich in den Kommunen Unmut. Denn der Bund hat Anfang des Jahres die Spielregeln geändert: Während das alte Gebäudeenergiegesetz abgeschafft werden soll und damit auch die umstrittene 65-Prozent-Regel, die künftig nur noch den Einbau klimafreundlicher Heizsysteme erlaubt hätte, sollen nun wieder alle Heizungen erlaubt sein. Das bedeutet für die Städte: Sie haben viel Zeit und Geld in Wärmepläne investiert, die jetzt aber nicht mehr ganz aktuell sein könnten. Der „ZfK“ sagten mehrere Kommunen, dass das neue Heizungsgesetz die Debatte um die Wärmewende in ihren Kommunen neu entfacht und Beschlüsse dadurch erschwert habe.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat in diesem Zusammenhang seine Mitglieder befragt und wollte wissen, ob die Kommunen durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz Anpassungsbedarf für ihre Wärmepläne sehen. Diese Frage haben 29 Prozent bejaht, wie t-online erfahren hat.

VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing und Geschäftsführer des Deutschen Städtetages Christian Schuchardt sagen dazu: „Der Bund hat die Kommunen verpflichtet und wir haben geliefert. Doch mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz ändert die Bundesregierung die Spielregeln quasi in der Nachspielzeit. Das verunsichert viele Kommunen und Stadtwerke.“

Diese Städte wollen Wasserstoff und Biomethan teilweise nutzen

Trotz der Unsicherheiten haben sich die meisten an die Fristen gehalten. In den Wärmeplänen können die Bewohner also erfahren, was sie vom Bund nicht erfahren: wie sie in Zukunft wirklich heizen können. Und es zeigt sich: Die meisten Städte planen ohne die grünen Gase für die private Heizung. Untersucht wurden alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, die einen Wärmeplan beim Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende Halle (KWW) eingereicht haben.

Demnach wollen folgende Städte das bestehende Gasnetz teilweise oder ganz für Biomethan oder Wasserstoff umrüsten:

  • Chemnitz: Will ab den 2030er-Jahren Wasserstoff nutzen. Dazu soll 2028 ein gesonderter Wasserstoff-Plan stehen.
  • Fürth: Will das Gasnetz behalten und abschnittsweise auf grüne Gase umrüsten.
  • Münster: Will sich bis 2030 an das Wasserstoff-Kernnetz anschließen, zum Teil wird auch Biomethan geprüft. Die Gase sollen vorrangig für Industriekunden bereitgestellt werden.
  • Paderborn: Will ebenfalls vorrangig für Industriekunden das Gasnetz auf Wasserstoff umrüsten.
  • Essen: Will ab 2032 Wasserstoff durch das Gasnetz leiten, die vollständige Umwidmung ist zwischen 2037 und 2040 geplant.
  • Dresden: Ab 2032 soll das Gasnetz schrittweise vollständig auf Wasserstoff umgerüstet werden. Dies wird aber nur in neun im Wärmeplan ausgewiesenen Zonen getan. Für alle anderen Bereiche werden Fernwärme oder Einzellösungen präferiert.
  • Göttingen: Prüft die Nutzung von Biomethan, um Teile der Infrastruktur halten zu können.
  • Bergisch Gladbach: Wasserstoff wird nicht als wirtschaftlich erachtet, deshalb soll in einzelnen Regionen der Umstieg auf Biomethan geprüft werden.
  • Ulm: Netze, die an Gasspeicher, Industriekunden oder andere Großabnehmer angeschlossen sind, können auf biogene Gase umgestellt werden.
  • Trier: Im Stadtteil Ehrang und im Stadtzentrum wird die Umstellung auf Biomethan geprüft.
  • Moers: Will Wasserstoff für Industrie und Gewerbe nutzen.
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