CDU sucht Spahn-Nachfolger

„Die Stimmung ist schon angespannt“


20.07.2026 – 15:39 UhrLesedauer: 4 Min.

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Parlamentsgeschäftsfüherer Bilger: Die Fraktion wünsche sich „zeitnah“ einen Personalvorschlag von Merz und Söder. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Wird es die große Personalrochade zur Mitte der Wahlperiode? Die CDU um ihren Chef und Kanzler Friedrich Merz sucht einen Nachfolger für Jens Spahn. Noch steht aber nur der Wahltermin innerhalb der Fraktion fest.

Am Ende ist es Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger, der ausspricht, was dieser Tage wohl viele fühlen in der CDU. „Die Stimmung ist schon angespannt“, sagt er am Montagmittag, als er vor dem Berliner Konrad-Adenauer-Haus kurz vor die Mikrofone tritt. Zwar sei die Fraktion auch trotz des Rücktritts von Jens Spahn „gut aufgestellt“, „handlungsfähig“, alle machten wie gewohnt ihre Arbeit. Und doch: Gut wäre, wenn es jetzt bald, „zeitnah“, so Bilger, einen neuen Chef gäbe für die insgesamt 208 Abgeordneten von CDU und CSU.

Bald, zeitnah. Es sind dehnbare Begriffe, die sich sehr unterschiedlich interpretieren lassen. Nachdem Jens Spahn am Samstag auf Drängen von Kanzler und Parteichef Friedrich Merz seinen Rücktritt erklärt hatte, hofften nicht wenige in der Partei, dass Merz der Parteispitze bereits zu Beginn der Woche einen fertigen Personalvorschlag präsentieren würde.

Diese Erwartungen aber wurden enttäuscht. Wie t-online aus Kreisen des CDU-Präsidiums erfuhr, hat man lediglich einen Zeitplan festgelegt, wie es weitergehen soll. Per SMS an die Abgeordneten informierten Bilger und CSU-Landesgruppenchef, der die Fraktion derzeit interimistisch führt, parallel die Abgeordneten: Am 29. Juli, also nächste Woche Mittwoch, 14 Uhr, sollten bitte alle in Berlin sein. Dann werde der oder die neue Vorsitzende der Fraktion gewählt, „in Präsenz“. Nur: Wer wird es?

Frei könnte sicher gut mit Miersch

Diese Frage ist entgegen der Hoffnung mancher Parteigänger für Merz wohl doch nicht so leicht zu beantworten. Das Loch, das Spahn ins Machtgefüge von Merz und seiner Unionsfraktion reißt, ist groß. Und ebenso groß ist die Chance für Merz, nun auch Personalentscheidungen, die sich als schwach erwiesen haben, zu korrigieren. Es gehe, sagt einer aus der Parteispitze t-online, „um die Mannschaftsaufstellung für die zweite Hälfte der Wahlperiode“. Auch deshalb dürfte er sich mit der Suche etwas mehr Zeit lassen.

Noch Kanzleramtschef, bald Fraktionsboss? Thorsten Frei auf dem Weg in die Parteizentrale. (Quelle: Fabian Sommer/dpa)

Weiterhin als Top-Anwärter für die Nachfolge Spahns gilt Thorsten Frei. Vor allem aus der Fraktion selbst wird er immer wieder als Wunschkandidat, als beste Lösung für die Fraktionsspitze genannt. Frei ist bei den Abgeordneten beliebt und kennt den Parlamentsladen sehr gut aus seiner Zeit als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer, der Job, den jetzt Bilger hat.

Ein weiterer Vorteil, den er mitbringt: Er gilt als anschlussfähig beim Koalitionspartner SPD. Mit Matthias Miersch, dem SPD-Fraktionschef, so heißt in Unionskreisen, könnte Frei wohl sehr leicht dort weitermachen, wo Spahn nach etwas als einem Jahr angelangt war: bei einer guten, vertrauensvollen Zusammenarbeit, die wichtig ist für den schwarz-roten Erfolg. Hinzu kommt: In der Rolle des Kanzleramtschefs wirkte Frei auf viele ohnehin nie glücklich. Noch bis zum viel zitierten Koalitionstreffen in der Villa Borsig kurz nach Ostern sahen ihn viele als Schwachstelle in der Regierungsmannschaft – weil er den Gipfel nur unzulänglich vorbereitet haben soll.

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