Das Lob gibt Aksu zurück: „Ich habe viele wirklich gute Leute trainiert, die wirklich Talent hatten, die auch ganz oben waren, aber den Durchbruch nicht geschafft haben, weil sie keine Disziplin, keinen Ehrgeiz hatten“, so der heute 59-Jährige. „Das bringt der Junge mit, der ist ein Arbeiter. Agit arbeitet viel an sich.“ Er selbst sagt weiter: „Ich habe da weitergemacht, wo alle anderen aufhören“ – der Wille, seiner Familie und sich selbst ein besseres Leben zu ermöglichen, manifestiert sich zu dieser Zeit.

Er arbeitet in jungen Jahren dazu als Türsteher, macht eine Ausbildung zum Gleisbauer – harte Arbeit, die er allerdings nie aufnimmt. Kabayel sieht früh seine Zukunft im Boxen. Doch er macht es sich zeitweise auch selbst schwer – und seiner Familie.

„Scheiße gebaut“

Denn mit 19 Jahren ereignet sich ein Vorfall, dessen Folgen Kabayel tief prägen werden. Er steht plötzlich vor Gericht, war zuvor in eine Schlägerei verwickelt. „Ich war sehr, sehr jung gewesen. Man hat halt Scheiße gebaut“, blickt er heute zurück. „Nach einem Diskothekbesuch war mein älterer Bruder in eine Situation verwickelt und da ist man halt reingeraten. Es gab eine Anzeige, ich wurde dann verklagt und wurde auch gerichtlich belangt.“ Zuerst steht ein Strafmaß von drei Jahren im Raum, eine zur Bewährung ausgesprochene Haftstrafe von neun Monaten wird später widerrufen. Knappe zwei Jahre später muss er sechs Monate absitzen.

„Meine Einstellung zu allem hat sich einfach komplett geändert“, sagt Kabayel heute. „Du dachtest einfach, du bist der Coolste, du bist der Stärkste, dir kann niemand was.“ Diese Einschätzung sei aber komplett falsch, denn: „Es gibt doch ein Gesetz und du musst dich an Gesetze halten.“ In den ersten zwei Haftwochen habe es Situationen gegeben, „in denen auch mal die Tränen geflossen sind und man sich fragt: Was mache ich hier? Was habe ich getan? Was tue ich der Familie an?“

Mehr noch: „Meine Mutter ist in der Zeit sehr, sehr krank geworden. Diese Sache hat sie extrem mitgenommen.“ Nicht nur deshalb habe er sich vorgenommen, sich auf das Positive zu fokussieren, und sich selbst vorgenommen: „Wenn du hier rauskommst, wirst du ein anderer Mensch und wirst dich nie wieder in irgendwelche Situationen begeben, wo du Scheiße bauen wirst.“

Sparringspartner von Tyson Fury

Schon kurze Zeit nach seiner Haftentlassung nimmt die Boxkarriere weiter Fahrt auf. Kabayel geht nicht wie die meisten anderen Boxer den Weg über den Amateurbereich, er steigt direkt bei den Profis ein. Im Ring gibt es Sieg um Sieg – trotzdem bekennt er einmal: „Mit den ersten zehn Kämpfen habe ich keinen Cent verdient. Ich habe von der Hand in den Mund gelebt.“ Er sei „als Profiboxer durch die Gegend gelaufen, aber die Leute wussten nicht, dass ich finanziell am Ende war. Ich habe Kämpfe umsonst bestritten.“

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