Neue Leitlinie
Nackenschmerzen lindern: Diese Maßnahmen sind am wichtigsten
Aktualisiert am 06.07.2026 – 07:42 UhrLesedauer: 3 Min.
Nackenschmerzen sind ein Volksleiden. Schätzungen zufolge hat jeder Dritte damit zu kämpfen. Die aktuelle Leitlinie ist ein Wegweiser für Betroffene.
Schätzungen zufolge hat jeder dritte Deutsche einmal im Jahr Nackenschmerzen. Viele der Betroffenen haben sogar dauerhaft Beschwerden. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat in der neuen S3-Leitlinie „Nackenschmerzen“ ihre Empfehlungen aktualisiert. Was Betroffene wissen müssen und was ihnen helfen kann.
Gut zu wissen
An medizinischen Leitlinien orientieren sich Ärztinnen und Ärzte in der Diagnostik und Behandlung von Krankheiten. Je nachdem, wie hoch der wissenschaftliche Standard einer Leitlinie ist, wird dieser die Bezeichnung S1, S2 oder S3 zugewiesen. S steht dabei für Stufe. S3 ist die höchste Stufe. Für sie wurden alle verfügbaren Studien zu dem Thema systematisch ausgewertet, und die verfassenden Fachleute haben auf Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse einen Konsens hergestellt, sich also auf Empfehlungen geeinigt.
Nackenschmerzen – Verspannungen sind häufige Ursache
Chronische Nackenschmerzen sind häufig auf Verspannungen der Muskulatur im Nacken- und Schulterbereich zurückzuführen. Diese entstehen beispielsweise durch Fehlbelastungen, Fehlhaltungen, eine geschwächte Nackenmuskulatur sowie Stress. Besonders kritisch für den Nacken sind Haltungen, bei denen der Kopf entweder weit nach vorne gebeugt oder in den Nacken gelegt wird.
Das kann bei langer Schreibtischarbeit, intensiver Handy- und Tabletnutzung, aber auch bei Handwerksarbeiten der Fall sein. Unfälle und Verletzungen sind eher selten die Ursache für Nackenbeschwerden. Oftmals lässt sich keine klare Ursache feststellen.
Aktualisierte Leitlinie Nackenschmerz: Das Wichtigste für Betroffene
In vielen Fällen lassen Nackenschmerzen nach ein bis zwei Wochen von allein wieder nach. Deutlich belastender als der akute Nackenschmerz ist die chronische Form. Dann halten die Beschwerden länger als zwölf Wochen an oder treten immer wieder auf. Für Betroffene kann das stark belastend sein und die Lebensqualität sowie Arbeitsfähigkeit unter Umständen erheblich einschränken.
Die wichtigsten Maßnahmen, die Betroffenen helfen können, hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in der neuen S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“ zusammengefasst. Von nicht-spezifischen Nackenschmerzen ist die Rede, wenn keine eindeutige, behandlungsbedürftige Ursache, etwa eine Erkrankung oder Verletzung, für die Beschwerden erkennbar ist. Insgesamt wurden 43 Empfehlungen zu Diagnostik und Behandlung aufgenommen.
Überdiagnostik entgegenwirken
Das Ziel der aktualisierten Leitlinie ist, kritische Verläufe frühzeitig zu erkennen und Überdiagnostik sowie Überbehandlung entgegenzuwirken. Entsprechend äußern sich die Autoren beispielsweise mit Blick auf bildgebende Verfahren zurückhaltend. So sollte bei akuten und rezidivierenden Nackenschmerzen ohne deutlichen Hinweis auf eine strukturelle Ursache keine bildgebende Diagnostik durchgeführt werden.
Bewegung ist wichtigste Maßnahme gegen Nackenschmerzen
Den Autoren der Leitlinie zufolge sind Nackenschmerzen der dritthäufigste Beratungsanlass in hausärztlichen Praxen in Deutschland. Bewegung ist laut der aktualisierten Leitlinie die wichtigste Maßnahme gegen unspezifische Nackenschmerzen und die wirksamste Möglichkeit, einer Chronifizierung entgegenzuwirken. Eine Ruhigstellung ist nicht empfohlen – im Gegenteil: Schonung kann die Beschwerden verschlimmern.
„Die Leitlinie zeigt uns ganz deutlich, dass Bewegung bei Nackenschmerzen das Maß aller Dinge ist. Um Patientinnen und Patienten dazu zu motivieren, braucht es ein gutes, wertschätzendes Gespräch“, sagt Professor Thomas Kötter, federführender Autor der Leitlinie für die DEGAM.
Kommunikation zwischen Arzt und Patient rückt stärker in den Fokus
Entsprechend wird die Bedeutung einer guten Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten in den Fokus gerückt. Eine gute Aufklärung sowie entsprechende Behandlungsempfehlungen erhöhen die Chance auf einen Therapieerfolg und nehmen Betroffenen in vielen Fällen Sorgen und Ängste. So haben Nackenschmerzen in der Regel keine gefährliche Ursache und Bewegung verursacht keinen Schaden.
