Christian Lindner zur Rente
„Diese Elemente der Rentenpolitik waren rote Heiligtümer“
27.06.2026 – 07:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Ex-FDP-Politiker Lindner warnt vor höheren Rentenbeiträgen durch die Kapitalrente und sieht darin ein massives Standortrisiko. Einen Kapitalstock hält er auch ohne Beitragsplus für möglich.
Der frühere Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner hat sich in die Rentendebatte eingeschaltet – und begrüßt die geplante Abschaffung der „Rente mit 63“. Er warnt jedoch eindringlich vor der geplanten Beitragserhöhung durch die Kapitalrente. „Die Arbeitskosten weiter zu verteuern, ist ein Standortrisiko erster Klasse“, sagte Lindner im Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“. „Deutschland fällt wirtschaftlich zurück, da ist jede weitere Verteuerung von Arbeit falsch.“ Lindner zeigt sich davon überzeugt, dass man einen Kapitalstock auch innerhalb der bestehenden gesetzlichen Rente, also ohne Beitragserhöhungen aufbauen kann.
Die Risiken eines etwaigen Börsen-Crashs hält der ehemalige FDP-Vorsitzende für vertretbar. „Langfristig überwiegen die Chancen die Risiken“, sagte Lindner. Erstens werde über Jahrzehnte gespart, nicht auf einen Schlag investiert. Zweitens werde über Märkte, Währungen, Branchen, Anleihen und Aktien breit gestreut. Und drittens erfolge die Entnahme ebenfalls schrittweise. „Selbst dramatische Einbrüche sind Jahre später oft nur ein kurzer Rücksetzer“, sagte er.
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In der Diskussion, wer die Kapitalrente verwalten soll, sprach sich Lindner gegen die Bundesbank und für den Atomfonds Kenfo aus. „Für mich spricht alles dafür, dass es der Kenfo macht“, sagte Lindner dem „Tagesspiegel“. Er habe in der Vergangenheit gute Renditen erzielt. „Dort verfügt man über notwendige Erfahrung und Kompetenz für eine sehr langfristige Anlage.“
Vorbild der Kapitalrente ist Schweden
Für die von der Rentenkommission entworfene Kapitalrente sollen mittelfristig jeweils zwei Prozentpunkte des von Arbeitgebern und Arbeitnehmern hälftig finanzierten Rentenbeitrags über einen Fonds an den Finanzmärkten angelegt werden. Das soll das Rentensystem langfristig stabilisieren. Befürworter argumentieren, die Renditen an den Kapitalmärkten seien trotz zeitweiliger Schwankungen stabil. Ein Vorteil sei auch, dass auf diese Weise Kapital für Unternehmen mobilisiert werde.
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Vorbild des Systems ist Schweden. Dort werden die Rentenversicherten gewissermaßen gezwungen, einen Teil ihres Einkommens zu investieren: über die sogenannte Prämienrente. Dieses Geld wird in Fonds angelegt, die die Schweden selbst wählen können. Für diejenigen, die sich damit nicht befassen möchten, hat das Land einen staatlichen Fonds eingerichtet, eine Art Standardanlage in Aktien.
