Omoda und Jaecoo

Diese Chinesen sind gekommen, um zu bleiben


07.05.2026 – 08:09 UhrLesedauer: 6 Min.

Selbstbewusst: Der Jaecoo 7 tritt mit solider Technik und großen Erfolgen in anderen Märkten an. (Quelle: Jaecoo)

Zwei neue Marken, zwei SUVs, ein Plan: Der chinesische Chery-Konzern startet in Deutschland. Wie sich die Marken hierzulande behaupten sollen.

Der deutsche Automarkt ist in Bewegung geraten – und das schneller, als viele erwartet hätten. Chinesische Hersteller gewinnen zunehmend an Bedeutung, ihr Anteil an den Neuzulassungen steigt, wenn auch noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Gleichzeitig wird aber klar, dass sich dieser Markt nicht einfach erobern lässt: Viele Marken drängen nach Europa, doch am Ende werden wohl nur wenige übrig bleiben.

In genau dieser Phase treten nun Omoda und Jaecoo an. Zwei neue Namen und vorerst zwei neue SUVs. Doch wer dahintersteckt, ist ein etablierter Player in der Branche.

Hinter beiden Marken steht der Chery-Konzern, gegründet 1997 und seit Jahren einer der größten Autoexporteure Chinas. Während andere Hersteller früh nach Europa gegangen sind, hat sich Chery bewusst Zeit gelassen und zunächst Erfahrungen in anderen Märkten gesammelt. Zunächst in Südamerika, dann aber auch in Südafrika oder Australien. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern 2,8 Millionen Autos, in Europa wurden bereits acht Tochtergesellschaften gegründet. In Großbritannien stieg der Marktanteil innerhalb eines Jahres von null auf 2,4 Prozent. Im Januar und Mai war der Jaecoo 7 das meistverkaufte Auto auf der Insel. Auch in Spanien (2,1 Prozent) oder Polen (2,5) hat der Chery-Konzern in weniger als zwei Jahren beachtliche Marktanteile erreicht.

Nun soll auch der Einstieg in Deutschland folgen. Der Markt gilt angesichts etablierter Marken als schwierig. Statt eines schnellen Rollouts setzt das Unternehmen deshalb auf einen strukturierten Aufbau. Ein zentrales Element dabei ist das Händlernetz: Bereits in der Startphase sollen rund 40 Standorte entstehen, bis zum Jahresende etwa 100. Langfristig ist ein Netz von bis zu 240 Betrieben geplant. Der Anspruch dahinter ist klar formuliert: Kunden sollen in der Regel nicht länger als 20 bis 30 Minuten bis zum nächsten Ansprechpartner unterwegs sein müssen.

Parallel dazu wird die Infrastruktur im Hintergrund aufgebaut. Ersatzteile sollen über ein zentrales Lager in Deutschland sowie über europäische Partner verteilt werden, die Verfügbarkeit liegt laut Hersteller bei rund 99 Prozent. In der Praxis bedeutet das: Viele Teile sollen innerhalb von 24 Stunden verfügbar sein, ohne dass Kunden lange auf Reparaturen warten müssen.

Auffällig ist dabei, wie stark der Fokus auf lokale Strukturen gelegt wird. Viele der Verantwortlichen kommen aus Europa, bringen Erfahrung mit etablierten Marken mit und gestalten den Markteintritt aus der Perspektive des hiesigen Marktes. Auch die Logistikpartner kennen den Markt und seine Herausforderungen vor Ort.

Der Eindruck von der Fahrveranstaltung in Berlin bestätigt das: Die Abläufe sind klar strukturiert, die Organisation wirkt routiniert, und vieles erinnert eher an etablierte Hersteller als an einen Neueinsteiger.

Share.
Die mobile Version verlassen