Pannen, Rücktritte, Umfragetief

Wegners schwierigster Parteitag

07.06.2026 – 07:24 UhrLesedauer: 3 Min.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU): Er blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. (Quelle: Soeren Stache/dpa)

Berlins Regierender Bürgermeister stolpert von einer Panne zur nächsten. Am Dienstag entscheidet sein CDU-Wahlparteitag über die Spitzenkandidatur und damit auch über sein politisches Schicksal.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. Der 53-jährige CDU-Politiker erlebte in den ersten fünf Monaten 2026 eine Pannenserie – vom Stromausfall im Januar bis zur Entlassung seines Digitalstaatssekretärs vor wenigen Tagen. Ausgerechnet im Wahljahr läuft für ihn vieles schief.

Noch Ende 2025 galt als sicher: Die CDU gewinnt die Wahl, Wegner bleibt Bürgermeister. Heute sieht das anders aus.

Eigene Partei zweifelt an Wegner

Am Dienstag (9. Juni) wählt die CDU Wegner offiziell zum Spitzenkandidaten. Doch in der Partei wächst die Kritik am Landesvorsitzenden. Aktuelle Umfragen sehen die CDU bei 19 bis 20 Prozent – weit weg vom Wahlergebnis 2023 mit 28,2 Prozent. Viele Abgeordnete fürchten um ihr Mandat. Das schürt Unruhe. Die Opposition hat sich ohnehin auf Wegner eingeschossen.

Gegenkandidaten gibt es bislang keine. Trotzdem gilt Wegner als angeschlagen. Beobachter warten gespannt auf seine Rede: Reißt er die Delegierten mit? Findet er selbstkritische Worte? Üben Mitglieder öffentlich Kritik – gut drei Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus?

Wer könnte Wegner ersetzen?

In der Partei kursiert eine klare Botschaft: Verliert die CDU die Wahl, ist Wegners Zeit vorbei. Weitere Pannen könnten die Stimmung schon vor dem Wahltag kippen lassen.

Eine klare Alternative fehlt allerdings. Finanzsenator Stefan Evers oder Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld kämen als Kandidaten infrage. Doch wenige Monate vor der Wahl tauscht kaum eine Partei ihr Spitzenpersonal aus.

Seit März 2023 ist Cornelia Seibeld Parlamentspräsidentin. (Quelle: IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler)

Wegner selbst zeigt sich kämpferisch. Er freue sich auf den Parteitag, sagt er: „Wir werden deutlich machen, was wir in den vergangenen drei Jahren bereits erreicht haben.“ Dazu zählt er „mehr Sicherheit, Berlin steigt im Bildungsranking, mehr Tempo beim Schaffen von bezahlbarem Wohnen sowie eine Verwaltungsreform, die Berlin digitaler, moderner und handlungsfähiger macht.“ Der Anfang sei gemacht, die CDU wolle den Weg fortsetzen.

Erst lief es gut für Kai Wegner

Wegners Start als Regierender Bürgermeister im April 2023 verlief holprig. Erst im dritten Wahlgang wählte ihn das Abgeordnetenhaus. Danach aber traf er bei vielen Themen den richtigen Ton.

Das wochenlange Warten auf einen Termin im Bürgeramt erkannte er früh als großes Ärgernis für die Berlinerinnen und Berliner. Heute bekommen Bürger ihren Termin meist innerhalb von 14 Tagen. Auch bei der Verwaltungsreform – an der viele vor ihm scheiterten – machte Wegner mehr Fortschritte als erwartet.

Share.
Die mobile Version verlassen