Debakel bei der Eishockey-WM

Deutscher Bundestrainer muss um seinen Job bangen

Aktualisiert am 19.05.2026 – 17:23 UhrLesedauer: 3 Min.

Wirkt ratlos: Eishockey-Bundestrainer Harold Kreis. (Quelle: nordphoto GmbH / Hafner/imago-images-bilder)

Die WM wird für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft zunehmend zum Debakel. Das könnte den Bundestrainer den Job kosten.

Am Tag nach dem historischen Debakel wollte niemand zurück ins Stadion. Nach einer Mannschaftssitzung am Mittag im Hotel in Regensdorf suchten die deutschen Nationalspieler das Weite, das Training wurde gestrichen. „Es schadet nicht, jetzt mal einen Tag vom Eishockey wegzukommen, mal durch die Stadt zu laufen“, sagte Verteidiger Kai Wissmann nach der 1:6-Klatsche gegen die Schweiz dem Sport-Informations-Dienst (SID). „Wir müssen einfach mal die Köpfe freibekommen“, ergänzte Stürmer Frederik Tiffels.

Drei Jahre nach dem Silbercoup von Tampere ist das deutsche Team in Zürich an einem Tiefpunkt angekommen. Die höchste WM-Pleite gegen den Nachbarn seit 89 Jahren, erstmals sieben WM-Niederlagen in Serie seit 1994/95: Ausgerechnet im Jahr vor der Heim-Weltmeisterschaft ist jegliche Euphorie im deutschen Eishockey verflogen – und mit ihr die anfängliche Begeisterung um Bundestrainer Harold Kreis.

„Do-or-die-Spiel“

Noch hat der 67-Jährige zumindest die theoretische Chance, mit seiner Mannschaft das erklärte Ziel Viertelfinale zu erreichen. Dafür müsste sie aber am Mittwoch (20.20 Uhr / ProSieben und MagentaTV) gegen Olympiasieger und Titelverteidiger USA eine Siegesserie starten. „Wir müssen es als Do-or-die-Spiel sehen“, sagte Kapitän Moritz Seider dem SID. Alles oder nichts heißt es vor allem für Kreis und seinen Job.

Über die Zukunft des Deutsch-Kanadiers, der im Dezember seinen Vertrag extra für die Heim-WM um ein Jahr verlängert hatte, wird nach dem Turnier entschieden. Dabei spielt ausgerechnet die Weltmeisterschaft in Mannheim und Düsseldorf eine wichtige Rolle – und die Frage: Kann Kreis noch ein Werbeträger dafür sein?

Moritz Seider: Auch der deutsche Kapitän kann die Mannschaft nicht mitziehen. (Quelle: Andrea Branca/imago-images-bilder)

In Zürich macht es bislang nicht den Eindruck. Ganz anders als bei seiner ersten WM 2023, als er aktiv coachte und wesentlich zum sensationellen Finaleinzug beitrug, wirkt Kreis zunehmend passiv und ratlos. Es droht wie vor einem Jahr das Vorrunden-Aus und nach der Olympia-Enttäuschung von Mailand mit allen NHL-Stars um Leon Draisaitl das dritte unbefriedigende Turnier in Folge.

„Ich glaube, die Mannschaft macht alles, was sie kann, um erfolgreiches Eishockey zu spielen“, behauptete Kreis nach der Schweiz-Klatsche, die viele Fragen aufwarf. Wie war der totale Einbruch im zweiten Drittel nach gutem Start möglich? „3 Minuten 30 haben uns das Spiel gekostet“, sagte Seider mit Blick auf die ersten drei Gegentore, „dann sind wir schnell kollabiert.“

„Dann bricht gleich das Kartenhaus zusammen“

DEB-Sportvorstand Christian Künast stellte bei MagentaTV erschrocken fest: „Wenn eine kleine Sache nicht passt, dann bricht gleich das Kartenhaus zusammen.“ Er glaube nicht, dass „irgendwelche Art von Training irgendwas bewirken kann“. Die Baustellen sind so zahlreich, dass man den Überblick verliert. „Wir müssen einfach alles besser machen“, sagte Tiffels nach seinem 100. Länderspiel, „ob es das Powerplay oder das Unterzahlspiel ist, der Aufbau, die Passqualität.“

Share.
Die mobile Version verlassen