Berlin-Comeback nach 30 Jahren: Die britische Rockband Pulp spielt wieder ein Konzert in der deutschen Hauptstadt. Das lange Warten der Fans hat sich gelohnt.

Als Frontmann Jarvis Cocker zuletzt in Berlin über eine Bühne tanzte, war Pulps legendäres Britpop-Album „Different Class“ gerade seit einem Jahr veröffentlicht. Das war 1996. Damals traten die Briten im Huxleys in Neukölln auf. Drei Jahrzehnte später verschlägt es die schrullige und legendäre Rockband aus Sheffield erneut in die deutsche Hauptstadt: zwei schwitzige Shows im Tempodrom, bei Temperaturen von 37 und 40 Grad.

Bereits nach der ersten Show am Donnerstagabend hatte Cocker in den sozialen Medien geschrieben: „Ich dachte, ich würde auf der Bühne gleich in Flammen aufgehen. Es war unglaublich heiß“. Auch das Publikum habe für Hitze gesorgt – trotz (angeblicher, wie er sagt) Klimaanlage im Tempodrom. Doch egal, denn seinen Post schließt er ironisch mit der Frage ab: „Wer will schon in einer kalten Welt leben?“

Pulp in Deutschland: Erstes Konzert seit 15 Jahren

Die 4.200 Fans in der ausverkauften Halle beim zweiten Konzert am Samstagabend jedenfalls nicht. Das Publikum, überwiegend im mittleren Alter, sieht in weiten Teilen so aus, als habe es die Veröffentlichung von „Different Class“ in ihrer Jugend miterlebt. Dennoch dürften die meisten Besucher beim Konzert im Huxleys vor 30 Jahren noch nicht dabei gewesen sein. Ohnehin liegt die letzte Show von Pulp in Deutschland 15 Jahre zurück, damals auf dem Melt Festival 2011. Dementsprechend euphorisch ist die Stimmung bereits vor dem Konzert in Berlin.

In ihrem gut zweieinhalbstündigen, fesselnden Set, inklusive einer Pause von 15 Minuten, bringen Pulp Songs aus fast ihrer gesamten Diskografie auf die Bühne. Der Fokus ist klar: Insgesamt sieben Lieder spielt die Band vom Hitalbum „Different Class“. Besonders ausgelassen ist die Stimmung bei „Disco 2000“, „Mis-Shapes“ und „Common People“, bei denen das Zeltdach des Tempodroms fast abzuheben scheint. Sie versetzen die Fans in einen regelrechten Britpop-Rausch. Es sind die Songs, die wie kaum andere für den Erfolg von Pulp in den 1990er-Jahren stehen.

Sänger Jarvis Cocker von Pulp: Er hat das Publikum durchgehend im Griff. (Quelle: IMAGO/Berlinfoto)

Irgendwo zwischen Britpop und Art-Rock, irgendwo zwischen scharfsinniger Gesellschaftsbeobachtung und stilvoller Exzentrik: Pulp war seinerzeit eine erfrischende Alternative in der damaligen Musikwelt. Insbesondere zu verdanken ist das Cocker. Dem Anti-Rockstar, der seit jeher wie ein verschrobener Soziologie-Professor oder eben wie ein Nerd mit Wuschelhaaren über die Bühne schwingt. Und der schon immer ein angenehmes Gegenstück zu den Gallagher-Brüdern von Oasis oder zu Damon Albarn von Blur darstellt. Sieht man ihn auf der Bühne, könnte man sogar argumentieren, dass er der beste Frontmann aus dem Britpop-Kosmos ist.

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