Aus nach 60 Jahren
Eine „Perle“ schließt: Traditionshaus an der Nordsee gibt auf
01.09.2026 – 17:35 UhrLesedauer: 3 Min.
Seit Jahrzehnten verbringen Familien ihren Urlaub im Traditionshaus auf Borkum. Eigentlich sollte die Anlage saniert werden. Doch dann folgt die Rechnung.
Für 2027 waren vorsorglich schon keine Gäste mehr eingeplant. Das „Haus Alter Leuchtturm“ auf Borkum, auch bei Urlaubern aus Bremen und dem Umland beliebt, sollte umfassend saniert und anschließend wieder geöffnet werden. Doch dazu kommt es nicht mehr.
Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg gibt seine Ferien- und Tagungsstätte zum Jahresende endgültig auf. 71 von 74 Mitgliedern einer Sondersynode stimmten im August dafür, drei enthielten sich. Ausschlaggebend sind die inzwischen erwarteten Sanierungskosten: Nach der jüngsten Berechnung werden 11,205 Millionen Euro benötigt, teilte der Kirchenkreis in einer Mitteilung mit.
Neue Zahlen schocken Verantwortliche
Noch wenige Wochen zuvor hatten die Verantwortlichen mit 6,2 Millionen Euro gerechnet. Eine Sanierung hielt man bei dieser Summe für finanzierbar. Superintendent Christof Grote reagierte entsprechend auf die neue Kalkulation: „Als ich diese Zahl gesehen habe, war ich schockiert.“
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Bekannt waren zunächst unter anderem Setzrisse an der Fassade und Schäden am Klinker. Bei weiteren Untersuchungen kamen jedoch zusätzliche Probleme zum Vorschein. Wasserleitungen in den Bädern seien defekt, die Küche müsse umfassend saniert werden. Hinzu komme die Elektrik. Eine Teilsanierung sei keine Option. Auch die Zeit drängt: Die Stadt Borkum duldet den Betrieb der vorhandenen Küche nach Angaben des Kirchenkreises nur noch bis Ende 2026.
Mit den ursprünglich kalkulierten Kosten hätte der Kirchenkreis rund sechs Millionen Euro finanzieren müssen. Rund 235.000 Euro für Zins und Tilgung pro Jahr sollten aus den Überschüssen des Hauses kommen. Mit der neuen Rechnung entsteht jedoch eine zusätzliche Finanzierungslücke von mehr als 210.000 Euro jährlich.
„Diese Lücke können wir nicht schließen“, sagte Geschäftsführerin Claudia Adams-Kuhbier. Das sanierungsbedürftige Haus sei dennoch „eine Perle“. Die Entscheidung fiel ihr entsprechend schwer: „Ich kann es nicht fassen, dass wir das Handtuch werfen müssen.“
Haus diente jahrzehnte als Ferien- und Begegnungsstätte
Für den Kirchenkreis endet damit eine lange Ära. Seit 60 Jahren diente das Haus an der Wilhelm-Bakker-Straße als Ferien- und Begegnungsstätte. Untergebracht waren dort unter anderem Familienfreizeiten, Mutter-Kind-Angebote, Seniorenreisen sowie Gruppen von Kirchengemeinden und Vereinen.
