Wie löst Deschamps das Offensiv-Puzzle?
Der Weltfußballer passt nur bedingt in Frankreichs System
Aktualisiert am 26.06.2026 – 21:36 UhrLesedauer: 5 Min.

Frankreich hat große Ambitionen bei der WM 2026. Der Kader ist prominent besetzt – doch eine zentrale Frage begleitet das Team seit Turnierbeginn.
Kylian Mbappé, Michael Olise und der amtierende Weltfußballer Ousmane Dembélé: Eine WM-Elf um diese drei Ausnahmespieler zusammenzupuzzeln, klingt wie die schönste Aufgabe eines jeden Trainers. In der Offensive ist der französische Kader nominell besser besetzt als jeder andere im Turnier. Auf dem Papier verfügt Frankreich damit über ein Aufgebot, das den Anspruch auf den WM-Titel untermauert.
Nationaltrainer Didier Deschamps arbeitet daran, dieses Puzzle richtig zusammenzusetzen. Das Spiel des amtierenden Vize-Weltmeisters ist auf die Explosivität von Mbappé zugeschnitten, der als Mittelstürmer gegen den Senegal und den Irak jeweils doppelt traf. Dembélé wurde auf dieser Position Champions-League-Sieger mit PSG, kann aber auch als Linksfuß über den rechten Flügel kommen. Dort allerdings spielt Michael Olise, und der hat sich beim FC Bayern München zum vielleicht besten Rechtsaußen der Welt entwickelt. Gegen seinen an Arjen Robben erinnernden Zug zur Mitte mit Abschluss ins lange Eck hat kaum ein Verteidiger weltweit eine passende Antwort.
Wohin also mit Dembélé, scheint Deschamps‘ Luxusproblem zu lauten? Gegen den Senegal begann der Ballon-d’Or-Gewinner hängend hinter Mbappé, fand dort aber nicht ins Spiel. In der zweiten Halbzeit wechselten er und Olise die Seiten. Das funktionierte zwar besser, doch auch hier schien Dembélé sich nicht völlig wohlzufühlen: Während Olise und Mbappé zunehmend harmonierten, schien Dembélés Rolle sich im Wesentlichen darauf zu beschränken, seinen kongenialen Partnern aus dem Weg zu gehen. Beim 3:0 gegen den Irak, zu dem Dembélé ein Tor und eine Vorlage beisteuerte, sah das Ganze bereits harmonischer aus.
Die Positionen dieser drei Spitzenspieler muss Deschamps möglichst schnell miteinander vereinen, bevor Missstimmung entstehen kann. Mbappé sah sich bereits genötigt, Dembélé in den Medien gegen aufkeimende Kritik zu verteidigen, der sich umgekehrt nicht lange in die Rolle des „Problemfalls“ drängen lassen wird.
Wahr bleibt aber: Auch ohne den Weltfußballer könnte Frankreich eine herausragende Angriffslinie bilden: Rayan Cherki von Manchester City ist wie geschaffen für die von Dembélé ungeliebte Zehnerposition, und ohne Dembélé könnten Olise und Mbappé auf ihren Lieblingspositionen spielen. Die Konstellation birgt Sprengstoff, denn Dembélé wird sich kaum freiwillig auf die Bank setzen.
So hat sich Frankreich für die Weltmeisterschaft qualifiziert
Die französische Nationalmannschaft hat sich den Weg zur WM 2026 leicht gemacht. In der europäischen Qualifikationsgruppe D übernahmen „Les Bleus“ rasch die Kontrolle und sammelten Sieg um Sieg. Nur das Rückspiel gegen Island löste kurze Unruhe aus. Die Mannschaften trennten sich 2:2.
Der Schlusspunkt folgte im November 2025. Beim 4:0 gegen die Ukraine und dem 3:1 gegen Aserbaidschan zeigte Frankreich noch einmal seine ganze Bandbreite. Kylian Mbappé traf gegen die Ukraine doppelt, auch Michael Olise und Hugo Ekitiké durften über ihre Treffer jubeln. Es war ein Spiel, das sinnbildlich für diese Qualifikation stand: strukturiert, effizient, ohne überflüssige Risiken. Mit fünf Siegen und einem Remis machte Frankreich das Ticket souverän klar – und konnte frühzeitig den Blick Richtung Nordamerika richten.
