Alkohol an Bahnhöfen ist der Bahnchefin ein Dorn im Auge. Doch ihr Vorstoß verfehlt das eigentliche Problem und ist in sich widersprüchlich.

Evelyn Palla will durchgreifen. Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist die Südtirolerin Chefin der Deutschen Bahn. In dieser Zeit hat Palla das Image einer Macherin gepflegt, einer Führungskraft, die anpackt. Offensichtlich überflüssige Manager-Posten ließ sie streichen, langwierige Sanierungen prüfen. Ihr erklärtes Ziel: Die Bahn soll pünktlicher, zuverlässiger werden – und Bahnhöfe und Züge zu Orten, an denen Fahrgäste sich wohlfühlen. Ihre neueste Idee dürfte dazu allerdings kaum beitragen. Das angekündigte Alkoholverbot an Bahnhöfen ist widersprüchlich und verfehlt die eigentlichen Probleme.

Mit markigen Worten hat Palla dem Alkoholkonsum an deutschen Bahnhöfen den Kampf angesagt. „Es reicht. Genug ist genug.“ Die Bahn greife jetzt „noch härter durch“. Und: „Wir verbannen das Alkoholtrinken aus unseren Bahnhöfen.“ Nur: Das stimmt nicht.

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Denn Gelegenheiten zum Trinken gibt es weiterhin. Die Gastronomiebetriebe am Bahnhof schenken auch nach Umsetzung der neuen Regelung im Herbst weiterhin Alkohol aus. Das gilt auch für das gastronomische Angebot in den Zügen – in der 1. Klasse der ICEs bekommt man das Bier zu jeder Tageszeit sogar an den Platz geliefert, soweit vorrätig.

Vermüllter ICE: In den Zügen darf weiterhin Alkohol getrunken werden. (Quelle: IMAGO/imago)

Konsequent ist das nicht. Wenn Pallas Anliegen die tatsächliche Verbannung alkoholischer Getränke aus deutschen Bahnhöfen und Zügen ist, muss sie auch gegen die Angebote vor Ort vorgehen. Das Helle aus dem Bahnhofs-Rewe (das man nun nicht mehr trinken dürfte) alkoholisiert in der Regel auf die gleiche Weise wie das aus der Bahnhofskneipe oder im Bordrestaurant (das man weiterhin trinken dürfte) – in dem die Bahn übrigens auch Dry Gin aus dem Rheinland verkauft. Alkoholgehalt: 41 Prozent.

Die Bahn verkauft im Zug harten Alkohol

So ist das, was Palla ankündigt, nicht nur nicht konsequent, sondern auch nicht ehrlich. Denn die Fahrgäste, denen die Bahn im Zug hochprozentigen Alkohol verkauft, steigen dann an eben den Bahnhöfen aus, aus denen Palla das Trinken „verbannen“ möchte.

Angebot im ICE-Bordrestaurant der Bahn: Im Fernverkehr der Deutschen Bahn dürften sich Fahrgäste weiter Bier und Spirituosen kaufen, solange der Vorrat reicht. (Quelle: Screenshot bahn.de)
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