„Das ist ein Affront“
Auftritt von Weidel löst Ärger in der AfD aus
Aktualisiert am 20.10.2026 – 20:16 UhrLesedauer: 3 Min.

In der AfD NRW tobt ein erbitterter Machtkampf. Nun liefert ein Auftritt von Parteichefin Alice Weidel in Leverkusen neuen Zündstoff.
Am Samstag kämpften zwei AfD-Funktionäre bei einer Mensur mit Klingen gegeneinander, nun geht es im Lagerkampf der AfD in NRW etwas weniger martialisch weiter – aber nicht weniger feindselig. An diesem Dienstag tritt in Leverkusen bei zwei Veranstaltungen Parteiprominenz auf, darunter AfD-Chefin Alice Weidel, der Sachsen-Anhalter Fraktionschef Ulrich Siegmund und die AfD-Spitzenfunktionäre aus dem Europäischen Parlament, Alexander Sell und René Aust.
Auffällig ist, wer fehlt: NRW-Landeschef Martin Vincentz, der bei der Landtagswahl 2027 auch als Spitzenkandidat für die AfD antreten soll. Nach Informationen von t-online ist Vincentz nicht eingeladen worden – was hinter den Kulissen Diskussionen zwischen Spitzenfunktionären aus den beteiligten Landesverbänden auslöst.
- Jetzt fließt Blut in NRW: AfD-Politiker treten mit Klingen gegeneinander an
- „Parteitag der Schande“: Revolte gegen Parteichefin Weidel
Denn die AfD in NRW ist tief in zwei Lager gespalten. Vincentz steht mit seinen Mitstreitern dabei auf der einen Seite. Auf der anderen machen der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich und Sven Tritschler, Mitglied im Bundesvorstand und enger Vertrauter von Weidel, mobil. Gerade kämpft man um die Liste für die Landtagswahl. Sie gilt als Schlüssel, um sich die Macht im Verband dauerhaft zu sichern und das andere Lager zu verdrängen.
Vincentz-Gegner Helferich als Moderator
Die Veranstaltung am Abend wird offiziell ausgerichtet von der Partei Europa der Souveränen Nationen (ESN), der die AfD in Brüssel angehört. Bereits am Nachmittag ist, ebenfalls in Leverkusen, zudem eine Diskussion mit 150 Parteifunktionären aus NRW geplant. Sie stammen nach Informationen von t-online vor allem aus dem Anti-Vincentz-Lager. Die Moderation dabei soll mit dem Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich einer von Vincentz‘ schärfsten Gegnern übernehmen. Diese Veranstaltung richten Personen aus dem Lager der Vincentz-Gegner aus. Man trage die Kosten „privat“, heißt es aus ihren Kreisen. Man will demnach dort auch die Lage des Landesverbands NRW thematisieren.*
In Vincentz‘ Lager wertet man den Auftritt der Spitzenfunktionäre in Leverkusen ohne den Landeschef vor diesem Hintergrund als Provokation: „Das ist ein Affront“, sagt einer der Unterstützer des Landeschefs aus NRW t-online. „Traurig“ sei, was die Chefin da mache, und „schade“, dass die anderen mitzögen. Von Mitgliedern des Bundesvorstands erwarte man, dass sie ausgleichend wirkten und „nicht weiter eskalieren“.
Weidels Sprecher Daniel Tapp erklärt auf Anfrage von t-online, dass es sich um einen gewöhnlichen Auftritt handele. „Es gehört zu den Aufgaben als Parteichefin, die AfD nach außen zu vertreten – auch in NRW.“ Und: Die Veranstaltung am Abend werde ausgerichtet von der ESN, nicht vom Landesverband.
