Sechs Tote in Stade

Verdächtiger stirbt in Haft: Anwalt erhebt schwere Vorwürfe

Aktualisiert am 24.07.2026 – 07:05 UhrLesedauer: 2 Min.

Steffen Hörning: Der Opferanwalt vertritt eine Familie eines Hinterbliebenen der Tat mit sechs Toten von Stade. (Quelle: Marcus Brandt/dpa)

Sechs Tote in Stade, der Verdächtige liegt tot in der Zelle: Einen Mordprozess wird es nicht geben. Doch gegen zwei Frauen ermittelt die Staatsanwaltschaft weiterhin.

Der mutmaßliche Täter von Stade sei in der Haft völlig falsch eingeschätzt worden – das hat nach Ansicht von Opferanwalt Steffen Hörning zu dessen Tod in der JVA Bremervörde geführt. „Das muss dringend aufgearbeitet werden, weil ich glaube, dass wir von erheblichen Versäumnissen reden“, sagte Hörning im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Hier haben sich die Anzeichen so gehäuft. Die Leute, die entscheidend dafür waren, sind dem Mann auf den Leim gegangen.“

Die Haftbedingungen für den 45-Jährigen, der sechs Menschen getötet haben soll, waren am Vortag seines Todes gelockert worden. Anfangs hatte er unter besonderer Beobachtung gestanden. Nach Einschätzung einer Psychologin wurde diese schrittweise gelockert und schließlich ganz aufgehoben. Am vergangenen Dienstag wurde der Mann tot in seiner Zelle gefunden. Die Ermittler gehen den Angaben zufolge von Suizid aus, Hinweise auf ein Verbrechen gebe es nicht.

Hörning vertritt zwei hinterbliebene Familien

Hörning, der zwei hinterbliebene Familien vertritt, verwies darauf, wie schwer das Geschehen ohne einen Mordprozess zu bewältigen sei. „Dort möchten sie ihrem Familienmitglied ein Gesicht geben, von ihm erzählen“, sagte der Anwalt. Viele Angehörige brächten auch ein Foto der Opfer mit und stellten es vor sich auf. „Die Getöteten sind nur ein Aktenbestandteil, nur Papier und Bilder aus der Rechtsmedizin.“

Hinterbliebene erhofften sich vor Gericht meist Antworten. „Aber die Angeklagten schweigen oft“, so Hörning. So bleibe die unbeantwortete Frage nach dem Warum eine große Belastung.

Wird es einen Prozess geben?

Der Mann soll Ende Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen getötet haben, darunter jeweils drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes Hannover und der Einrichtung. Hintergrund soll ein Sorgerechtsstreit um die zur Tatzeit drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen wegen Mordes ein – ein Verfahren gegen Tote ist in Deutschland nicht möglich. Nach eigenen Angaben ermitteln die Beamten aber weiterhin gegen die Kindsmutter und gegen die Fahrerin des Fluchtwagens.

„Die Hinterbliebenen hoffen, dass man am Ende Beweise findet, dass sie in die Tat involviert waren und angeklagt werden“, erklärte Hörning. Dann könnten sie noch die eine oder andere Frage loswerden. Seine Aufgabe sei es aber, ihnen nicht allzu viel Hoffnung zu machen – zumal ein Prozess psychisch belastend sein könne.

Hinweis: Falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.

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