Linksxtremismus in Hamburg
Rote Flora verliert Einfluss – Angriffe werden gefährlicher
Aktualisiert am 10.08.2026 – 07:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Hamburgs linksextreme Szene tritt seltener öffentlich auf. Der Verfassungsschutz warnt jedoch vor gezielteren und gefährlicheren Aktionen.
Jahrzehntelang galt Hamburg neben Berlin und Leipzig als Hochburg der gewaltbereiten linksautonomen Szene. Doch diese Zeiten sind vorbei, sagt der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, Torsten Voß, der Deutschen Presse-Agentur.
Und er kann es zeitlich festmachen: „Der G20-Gipfel mit den schweren Ausschreitungen unter anderem im Schanzenviertel war tatsächlich eine Zäsur in der Entwicklung des Linksextremismus hier in Hamburg.“ In diesem Zusammenhang habe auch das linksautonome Kulturzentrum Rote Flora an Bedeutung verloren.
2017 hatten die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern des Treffens der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrieländer und der Polizei die Stadt tagelang in eine Art Ausnahmezustand versetzt. Im Anschluss glichen Teile des Schulterblatts im Schanzenviertel einem Trümmerfeld.
G20-Randale und Corona sorgen für Wandel
In der Szene habe man die eigenen Aktionen damals hinterfragt, sagt Voß. „Nach dem Motto: „War es richtig, dass wir unser eigenes Viertel zerlegt haben?““ Auf der anderen Seite habe es eine neue Militanz-Debatte gegeben. „Und auch hier stellte sich in der Szene die Frage, ob die selbstgesteckten Ziele noch vermittelbar sind, wenn man auf der Elbchaussee Kleinstwagen anzündet.“
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Was gewalttätige Demonstrationen angeht, ist es in Hamburg seither jedenfalls deutlich ruhiger geworden. Die Randale rund um den 1. Mai – lange eine linksautonome Tradition in Hamburg – gab es in den vergangenen Jahren nicht mehr.
Auch die Corona-Pandemie mit ihren Versammlungsverboten habe die Szene getroffen, sagt Voß. „Hinzu kommt, dass sich führende Köpfe, die rund um G20 noch aktiv waren, inzwischen aus dem aktiven linksextremistischen Spektrum zurückgezogen oder Hamburg verlassen haben.“
Rote Flora hat an Bedeutung verloren
Die Rote Flora – während G20 noch ein zentraler Ort – habe an Bedeutung verloren. „Sie hat für einige Linksextremisten nur noch eine verklärte, historische Signalwirkung, ohne dass von ihr aktuell wirklich noch große Aktionen ausgehen“, sagt Voß. Dies könne sich aber in Zukunft auch wieder ändern.
Insgesamt habe sich die linksautonome Szene verjüngt. Und: „Sie zeigt derzeit weniger Aktionsbereitschaft im öffentlichen Raum als früher und tritt nicht mehr in der Quantität in Erscheinung“, sagt der Verfassungsschutzchef. Dennoch bleibe sie gefährlich: „Die Qualität der Aktionen hat sich geändert, hin zu klandestin geplanter personenbezogener Gewalt.“
