Ärzteverband fordert

Alkohol soll aus Supermärkten verschwinden


Aktualisiert am 11.05.2026 – 13:34 UhrLesedauer: 2 Min.

Spirituosen im Supermarkt: Der Marburger Bund fordert, hochprozentigen Alkohol aus Supermärkten zu verbannen. (Quelle: IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON/imago)

Die Deutschen trinken im europäischen Vergleich viel Alkohol. Der Marburger Bund will das ändern und fordert drastische Einschränkungen beim Verkauf.

Wer Durst auf Wein, Bier oder Hochprozentiges hat, wird im Supermarkt fündig. Zumindest Spirituosen sollen aber nach Auffassung des Marburger Bundes künftig nicht mehr in den Supermarktregalen zu finden sein. „Der Verkauf hochprozentiger alkoholischer Getränke soll ausschließlich in lizensierten, spezialisierten Verkaufsstellen erfolgen“, forderte der Ärzteverband. „Supermärkte, Tankstellen und Kioske sollen keinen hochprozentigen Alkohol mehr anbieten dürfen.“

Alkoholkonsum gehöre zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken, bemerkt der Verband. Besonders junge Leute wolle man durch diese Maßnahme schützen. Denn wer früh mit dem Konsum von Alkohol beginne, erhöhe das Risiko für eine spätere Abhängigkeit.

Gute Erfahrungen in anderen Ländern

Der Ärzteverband verweist unter anderem auf Erfahrungen aus dem Ausland. So ist vor allem in Skandinavien der Verkauf von Alkohol streng reguliert. In schwedischen Supermärkten sind etwa nur Getränke mit einem Alkoholgehalt von maximal 3,5 Prozent zu finden. Wer Hochprozentiges kaufen möchte, muss dafür in staatliche Geschäfte namens „Systembolaget“ gehen. Ähnliche Gesetze gibt es in den meisten anderen skandinavischen Ländern, lediglich Dänemark verfolgt beim Alkoholverkauf eine freizügigere Linie.

Doch auch andere Nachbarstaaten Deutschlands haben den Verkauf von Alkohol reglementiert. In den Niederlanden gibt es Getränke mit mehr als 15 Prozent Alkohol ebenfalls nur in speziellen Spirituosengeschäften, zudem ist es den Händlern verboten, Rabatte von mehr als 25 Prozent auf alkoholische Getränke zu geben.

In Polen wiederum gibt es in vielen Städten ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol. Zuletzt hatte auch der Stadtrat von Warschau ein entsprechendes Verbot beschlossen. Ab dem 1. Juni dieses Jahres kann im gesamten Stadtgebiet zwischen 22 und 6 Uhr kein Alkohol mehr gekauft werden.

Vor allem in den skandinavischen Ländern liegt der Alkoholkonsum pro Kopf teils deutlich unter dem in Deutschland. Während die Deutschen im Schnitt pro Jahr 11,84 Liter reinen Alkohol trinken, liegt die konsumierte Alkoholmenge pro Kopf in Schweden bei 9,57, in Dänemark bei 9,49 und in Island bei 7,94 Litern. In Norwegen trinken die Menschen mit 7,38 Litern reinem Alkohol pro Kopf noch weniger.

Kein „begleitetes Trinken“ mehr

Geht es nach dem Marburger Bund, soll auch hierzulande der Alkoholkonsum sinken. Der Verband setzt sich darum auch für Gesetzespläne ein, mit denen das sogenannte „begleitete Trinken“ für Jugendliche abgeschafft werden soll.

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Obwohl der Kauf und der Konsum von Alkohol gesetzlich erst ab 16 Jahren erlaubt sind, können Jugendliche schon mit 14 Jahren Bier, Wein oder Sekt trinken, wenn sie von sorgeberechtigten Personen begleitet werden. Die entsprechende Regel besteht seit 1952. Die Idee dahinter: Jugendliche sollten dank elterlicher Aufsicht einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol lernen.

Mittlerweile verfolgt die Bundesregierung hier jedoch einen anderen Ansatz, bei dem das zunehmende Problem der Suchtabhängigkeit stärker in den Blick genommen werden soll.

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