Sportformat fesselt Zehntausende

Tagelang ohne Schlaf – drei Athleten laufen um die Wette

Aktualisiert am 17.08.2026 – 21:25 UhrLesedauer: 2 Min.

Start des Ultra-Rennens: Am Freitag gingen 160 Athleten an den Start. (Quelle: David Ebener)

160 Athleten gingen vor drei Tagen an den Start. Inzwischen laufen nur noch drei von ihnen – und das so lange, bis nur noch einer übrig ist.

448,9 Kilometer. Ungefähr so lang ist der Weg von Duisburg bis nach Kiel. Mit dem Auto braucht man dafür etwa fünfeinhalb Stunden, mit dem Fahrrad mindestens einen ganzen Tag – wenn man es denn schafft. Und zu Fuß? Im besten Fall 67 Stunden. Jedenfalls legte der Ultraläufer Kim Gottwald die Distanz in dieser Zeit beim „Last Soul Ultra“-Rennen im vergangenen Jahr zurück. Ohne längere Pause, so ziemlich ohne Schlaf.

Der Wettbewerb gehört zu den sogenannten Backyard-Ultras: In dem Lauf-Format starten Athleten zu jeder vollen Stunde in eine 6,7 Kilometer lange Runde. Wer vor 60 Minuten fertig ist, darf in der Restzeit essen, ein Nickerchen machen oder sich sonst wie erholen. Pünktlich zur nächsten Runde müssen alle wieder an der Startlinie stehen – sonst ist man ausgeschieden. Der Haken: Gelaufen wird so lange, bis nur noch einer steht. Das Rennen kann sich so über Tage ziehen.

Am vergangenen Freitag startete das nächste „Last Soul Ultra“-Rennen – ohne den Titelverteidiger Gottwald. „Ich würde lügen, würde ich sagen, ich würde nicht gerne mitlaufen“, sagt der 23-Jährige. Wegen einer nicht komplett verheilten Verletzung entschied er sich gegen die Teilnahme an der zweiten Ausgabe des Rennens, das er selbst mit initiiert hat.

Von 160 Athleten sind am Montagabend nur noch drei übrig: US-Amerikaner Mark Dowdle und die zwei Deutschen Norman Mascher-Aspensjö und Ayyoub El Osrouti. Letzterer ist der einzige der drei, der bereits im vergangenen Jahr an dem Rennen teilnahm und Zweiter wurde. Seine Marke von 66 Runden hat er inzwischen geknackt. Denn die drei sind bereits in Runde 80 (Stand Montag, 21.13 Uhr).

Ein Format, das fesselt

Challenges mit Distanzen, die manchen Menschen schon beim Zuhören Muskelkater bescheren, sind in der Social-Media-Welt längst nichts Spektakuläres mehr. Der Algorithmus pusht die extremen Inhalte und macht sie zu omnipräsenten Medienereignissen. Hunderttausende verfolgten etwa im Mai den 600-Kilometer-Lauf von Arda Saatçi in Kalifornien.

Auch das „Last Soul Ultra“ wird seit Tagen von Zehntausenden Zuschauern im Livestream bei YouTube verfolgt. Am Montagabend beobachten über 62.000 Menschen die 80. Runde der drei noch übrig gebliebene Athleten (Stand: 21.20 Uhr).

Share.
Die mobile Version verlassen