
Parasiten breiten sich aus
Experten warnen vor steigenden Infektionszahlen
Aktualisiert am 17.02.2026 – 17:50 UhrLesedauer: 3 Min.
Zecken machen keine Winterpause mehr: Warum jetzt selbst Spaziergänge im Garten riskant sein können – und was das für den Schutz bedeutet.
Nicht selten sind sie das unliebsame Ende eines Spaziergangs oder von Gartenarbeit: Wenn Zecken sich festgesetzt haben und ihren Stechrüssel durch die Haut bohren, kann das in seltenen Einzelfällen tödliche Folgen haben. Das Risiko, durch einen Zeckenbiss ernsthaft zu erkranken, steigt in Deutschland nach Überzeugung von Experten. Im vergangenen Jahr könnten Zecken demnach so viele Hirnhautentzündungen verursacht haben wie noch nie seit Beginn der Meldepflicht.
„Die Auswertungen laufen noch, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass wir die schon sehr hohen Zahlen von 2024 übertroffen haben werden“, sagte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München zu den Fällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Es sei mit weiter steigenden Zahlen zu rechnen, warnte auch die Parasitologin Ute Mackenstedt im Vorfeld des 8. Süddeutschen Zeckenkongresses in Stuttgart.
Zecken sind inzwischen ganzjährig aktiv, sie erobern selbst kühle Berglagen und verbreiten das FSME-Virus in ganz Deutschland. Mit der gestiegenen Verbreitung und Aktivität der Zecken nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung (FSME) erkranken.
Bislang wurde der höchste Wert mit 704 FSME-Erkrankungen im Jahr 2020 gemessen. „Aktuell haben wir 693 gesicherte FSME-Fälle in 2025“, sagte der Experte. Hinzu kämen 100 Verdachtsfälle, die gerade geprüft würden, so Gerhard Dobler, der Deutschlands nationales Konsiliarlabor für FSME leitet. Es überprüft unklare Diagnosen, beobachtet aber auch die Epidemiologie und Ökologie der Erkrankung.
Eine typische Frühsommer-Meningoenzephalitis verläuft in zwei Phasen, die jeweils mit einem Fieberanstieg einhergehen. Bei etwa einem Drittel der Infizierten verursacht die Erkrankung grippeartige Symptome mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei fünf bis zehn Prozent aller Infektionen treten nach einem zunächst symptomfreien Verlauf Hirnhaut- und Gehirnentzündungen auf. Vor allem bei älteren Menschen können sie bleibende Schäden hinterlassen. Eine spezielle Behandlungsmöglichkeit gibt es nicht. Mehr zu den FSME-Symptomen erfahren Sie hier.
Den besten Schutz gegen FSME bieten Schutzimpfungen. Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben, empfiehlt die Stiko daher eine Impfung. Bei 99 Prozent der Betroffenen fehlt laut RKI allerdings ein Impfschutz. Dabei sei genau dieser Schutz entscheidend, sagte Dobler. „Das Risiko, sich mit FSME zu infizieren, ist heute fünf- bis zehnmal höher als noch vor 40 Jahren vor Einführung der Impfung.“ Mehr Informationen zur FSME-Impfung finden Sie in diesem Artikel.