
Brisant ist auch die Tatsache, dass beide Mannschaften in demselben Hotel wohnen. Zu Spannungen soll es noch nicht gekommen sein, aber auch Österreichs Torwart Constantin Möstl reagierte im Gespräch mit Sport1 bereits wenig amüsiert auf den Angriff seines Positionskollegen: „Ich hoffe, er weiß selber, dass die Wortwahl nicht die richtige war. Wenn jetzt noch der letzte Spieler Motivation gebraucht hat, soll er sich nochmal das Video anschauen, dann sind die letzten Prozentpunkte da, um 100 Prozent zu geben“, konterte er.
Wolffs Teamkollegen setzten also am Mittwoch auf Deeskalation, um die Motivation ihrer Gegner nicht noch mehr anzuheizen. „Ich glaube, eigentlich wollte Andi ausdrücken, dass er großen Respekt hat vor dem österreichischen Handball und dass er das Spiel auf keinen Fall auf die leichte Schulter nimmt. Er wollte ein Warnsignal an unsere Mannschaft schicken“, versuchte sich Knorr in einer respektvollen Interpretation der Aussagen. Auch Miro Schluroff erklärte: „Ich würde ihm nicht völlig widersprechen, hätte es aber anders gesagt.“
Beide wissen, dass der Auftaktgegner eine Herausforderung darstellt. „Wir haben uns sehr schwergetan in den letzten Spielen. Ich glaube, dass Österreich sowohl über einen großen Teamgeist verfügt als auch eine hohe individuelle Qualität auf vielen Positionen hat“, analysierte Knorr und schlussfolgerte: „Das wird kein leichtes Spiel.“
Für ihn wird es vor allem darauf ankommen, die Ruhe zu bewahren. „Wir müssen geduldig sein und nicht genervt, wenn Dinge nicht funktionieren“, so Knorr. „Sie werden einfach ihren Stiefel herunterspielen und wir müssen wissen, dass wir da dagegenhalten müssen und nicht denken, dass wir das Spiel nach 20 Minuten gewonnen haben“, lautete seine Warnung.
Einen Punktverlust zum Turnierstart kann sich die deutsche Mannschaft nämlich eigentlich nicht erlauben. Mit Blick auf die voraussichtliche Hauptrundengruppe mit Weltmeister und Olympiasieger Dänemark sowie EM-Titelverteidiger Frankreich muss die deutsche Mannschaft so viele Punkte wie möglich mitnehmen. Stolpern gegen Österreich ist auch deshalb verboten, weil ein Sieg zum Vorrundenabschluss gegen Spanien ebenfalls alles andere als ausgemachte Sache ist.
Die Österreicher auf der anderen Seite haben kaum etwas zu verlieren – und nun auch das Quäntchen Extra-Motivation, um das deutsche Turnierziel Halbfinale früh ins Wanken zu bringen.