
Doch bevor hier Acrylpunkte auf Leinwänden zur weltbekannten Bildsprache wurden, begann eine andere Geschichte westlich von Alice Springs (Mparntwe, wie die Wüstenstadt in der Sprache des einheimischen Volkes der Arrernte genannt wird).
In Hermannsburg, Ntaria, einer Missionsstation am Rande der MacDonnell Ranges, entstand in den 1930er-Jahren die sogenannte Hermannsburg School, eine bedeutende australische Kunstbewegung. Ihr einflussreichster Vertreter war der Arrernte-Mann Albert Namatjira, der indigene Kunst erstmals einem großen Publikum in Australien bekannt machte.
Namatjira, 1902 geboren, zeichnete früh das, was er in der Natur beobachtete. Prägend wurde seine Begegnung mit dem britischen Landschaftsmaler Rex Battarbee. Gemeinsam reisten sie ins Palm Valley, eine Palmenoase in der Wildnis der MacDonnell Ranges, und malten mit Aquarellfarben.
„Albert zeigte ihm das Land, Battarbee zeigte Albert die Technik“, erzählt Stephen Williamson, Kunstkurator im Araluen Art-Center in Alice Springs, einem regionalen Kunstzentrum, das Bilder von Namatjira und vielen anderen bedeutenden Künstlern aus der Region ausstellt. Binnen weniger Wochen habe sich Namatjiras Stil so rasant entwickelt, dass Battarbee später in seinem Tagebuch notierte, er könne ihm nichts mehr beibringen, berichtet Williamson.
1938 bekam Namatjira die Chance für seine erste Soloausstellung in der Großstadt Melbourne, die zu einem großen Erfolg wurde: Mit seinen Darstellungen von Geistereukalypten und violett schimmernden Gebirgszügen machte er die abgelegenen Landschaften Zentralaustraliens erstmals einem breiten Publikum zugänglich. Seine Bilder waren rasch ausverkauft, Namatjira wurde landesweit bekannt. 1953 erhielt der Arrernte-Mann die Queen’s Coronation Medal, eine besondere Auszeichnung des britischen Königshauses. Ein Jahr später traf er Königin Elizabeth II. sogar persönlich.
Der Ruhm bedeutete für Namatjira als indigene Person allerdings damals keine Gleichberechtigung. Gleiche Rechte wie alle Australier etwa beim Kauf von Land bekam die indigene Bevölkerung erst später – und auch Namatjira selbst durfte wegen rassistischer Gesetze nicht dort wohnen, wo er wollte. Zwar erhielt er 1957 – als Ausnahmefall – volle australische Staatsbürgerrechte, die ihm theoretisch ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht hätten. Bürokratische Auflagen und fortbestehende Diskriminierung bestimmten jedoch weiterhin seinen Alltag.