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Samstag, Mai 28, 2022

Sanktionen gegen Russland lasten auch auf deutschen Aktien

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Der Dax wird am Montagmorgen deutlich tiefer erwartet. Experten zufolge bleiben Anleger hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung auf Waffenstillstand in der Ukraine und der Sorge vor einer noch größeren Eskalation.

Die verschärften Sanktionen des Westens gegen Russland dürften am Montag auf den Kursen am deutschen Aktienmarkt lasten. Der Dax wird am Montagmorgen deutlich tiefer erwartet, da der Westen die Sanktionsschraube gegen Russland wegen der Invasion in die Ukraine weiter anzieht. Zudem werden zusätzliche Waffen an die ukrainischen Streitkräfte geliefert. Die deutsche Bundesregierung vollzog am Wochenende eine Kehrtwende und beteiligt sich an den Lieferungen.

Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte zum Wochenstart rund eine Dreiviertelstunde vor dem Börsenauftakt ein Minus von 2,7 Prozent auf 14.171Punkte. Der EuroStoxx 50 , Leitindex der Eurozone, wird ähnlich schwächer erwartet.

Noch am Freitag hatte sich der deutsche Leitindex Dax  wegen einer sehr vagen Hoffnung auf Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine um mehr als dreieinhalb Prozent auf 14.567 Punkte erholt, nachdem er wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine tags zuvor noch bis auf fast 13.800 Zähler eingebrochen war – das war der tiefste Stand seit einem Jahr.

“Die Kriegsangst hat die Börsen voll im Griff”

Nach Einschätzung von Börsenbeobachter Timo Enden dürften sich die Schaukelbörsen weiter fortsetzen. “Die Kriegsangst hat die Börsen voll im Griff.” Die Anleger blieben weiterhin hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung auf einen Waffenstillstand und der Sorge vor einer noch größeren militärischen Eskalation, möglicherweise mit Nato-Ländern.

Während die Angriffe russischer Truppen gegen die Ukraine fortgesetzt werden, sollen in den Morgenstunden Gespräche zwischen der Ukraine und Russland über eine mögliche Friedenslösung beginnen. Derweil erhöhte der Westen den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Moskau.

Sanktionen gegen russische Zentralbank

In der Nacht zum Montag setzte die Europäische Union ihre schwerwiegenden Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft. Sie umfassen nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Verbot von Transaktionen mit dem Finanzinstitut. Zudem werden alle Vermögenswerte der Bank in der EU eingefroren.

Deutschland, die USA und andere westliche Verbündete beschlossen zudem einen Ausschluss russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift. Dies könnte weitreichende Folgen für russische Institute haben (mehr dazu lesen Sie hier). Erste Banken geraten bereits in Bedrängnis. So dürfte der Europa-Ableger der russischen Sberbank nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlungsunfähig werden.

Handel mit Russland könnte zum Erliegen kommen

Experten zufolge wird der Ausschluss Russlands aus Swift aber auch die deutsche Wirtschaft belasten, der Handel mit Russland könnte in weiten Teilen zum Erliegen kommen. Dabei scheint es aber der Bundesregierung wichtig gewesen zu sein, dass Gas- und andere Rohstofflieferungen weiterhin bezahlt werden können. Das könne über die im Swift-System verbleibenden Banken geschehen, hieß es. Vor dem Wochenende noch floss weiterhin unvermindert Erdgas aus Europa nach Russland durch die Ostseepipeline Nord Stream 1.

Unterdessen wird die EU eine halbe Milliarde Euro für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung an die ukrainischen Streitkräfte zur Verfügung stellen. Die Bundesregierung machte eine Kehrtwende und entschied, Waffen aus Bundeswehrbeständen an die Ukraine zu liefern. Auch mehrere andere Länder wollen weitere Rüstungsgüter schicken.

Angesichts dieser Gemengelage dürften hierzulande am Aktienmarkt weiterhin besonders die Banken, Rüstungskonzerne und Versorger im Fokus der Anleger stehen.

Rüstungsbranche profitiert vom Ukraine-Krieg

Hersteller militärischer Ausrüstung hatten zuletzt an der Börse bereits profitiert, nun soll die Bundeswehr 100 Milliarden Euro als Sondervermögen für Investitionen und Rüstungsvorhaben erhalten. Vorbörslich ging es am Montag für die Branche mit kräftigen Aufschlägen weiter aufwärts. Rheinmetall Rheinmetall Aktie und Hensoldt HENSOLDT Aktie legten dabei sogar um rund ein Viertel beziehungsweise ein Drittel zu.

Unter den übrigen Einzelwerten könnte der Laborzulieferer Sartorius Sartorius Vz Aktie einen Blick wert sein, das Unternehmen soll laut einem Medienbericht an dem US-Diagnostikentwickler Maravai Lifesciences interessiert sein.

Darüber hinaus steht der Mischkonzern und größte deutsche Agrarhändler Baywa BayWa (vinkuliert) Aktie mit seiner Bilanz für das vergangene Jahr im Blick. Erst nach Handelsschluss werden Jahreszahlen von Flatexdegiro flatexDEGIRO Aktie veröffentlicht, um den im SDax SDAX Index notierten Online-Broker rankten sich indes an der Börse zuletzt vor allem Übernahmespekulationen.

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