LNG: So weit sind die deutschen Flüssiggas-Pläne

Gut zu wissen: LNG und LPG sind nicht das gleiche. LNG steht für Flüssigerdgas, während LPG Flüssiggas meint, also “liquified petroleum gas”.

Wie funktioniert es?

Von den Förderstätten wird das Erdgas in eine Verflüssigungsanlage geleitet. Das Erdgas besteht dabei zumeist aus einer Mischung von Methan, Kohlenwasserstoffen, Stickstoff, Kohlendioxid, Wasser und unerwünschten Bestandteilen wie Schwefelverbindungen. Letztere werden vor der Weiterverarbeitung entfernt. Danach liegt der Methangehalt bei 98 Prozent, was LNG zu einem besonders reinen Gas macht.

LNG-Lieferung aus Katar am chinesischen Hafen Tianjin: Um von russischem Gas loszukommen, will Deutschland nun zwei Flüssigerdgas-Terminals bauen. (Quelle: imago-images-bilder)

In mehreren Schritten wird das Gas heruntergekühlt, wodurch es flüssig wird. In dieser Form kann es verladen und ausgeliefert werden, was zumeist Schiffe erledigen. In den Terminals wird das Flüssigerdgas dann in isolierten Lagertanks aufbewahrt.

Ist LNG eine Alternative zu russischem Gas?

Aus Kostengründen war es das bisher nicht, denn der Energiebedarf für die oben beschriebene Verflüssigung ist sehr hoch, etwa 10 bis 25 Prozent des Energieinhaltes des Gases.

Das rechnet sich dementsprechend erst ab einem Transportweg von etwa 2.500 Kilometern. Unter dieser Entfernung ist der Transport via Erdgaspipeline energetisch wirtschaftlicher. Deshalb sind die aktuellen Hauptimporteure von LNG mit fast 80 Prozent des weltweiten Volumens asiatische Länder wie Japan, Südkorea und Taiwan. Ein kleinerer Anteil geht auch an Großbritannien, Italien und Belgien.

Doch die Sorge vor einem Gasembargo gegen Russland macht LNG als Alternative interessant. Im Jahr 2020 bezog Deutschland über drei Pipelines 56 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland. Um diese Menge auszugleichen, würden etwa 750 Tankerladungen benötigt, die standardmäßig zwischen 125.000 und 147.000 Kubikmeter fassen. Und das obwohl das verflüssigte Gas bereits 600 Mal weniger Volumen hat.

Auf ganz Europa bezogen wären über 4.000 Tankerladungen notwendig. Einige Länder bereiten sich bereits darauf vor: Eines der größten Terminals steht in Rotterdam. Die Kapazitäten werden hier derzeit auf jährlich 13,5 Milliarden Kubikmeter erhöht.

Woher könnte Flüssiggas kommen?

Im vergangenen Jahr kam ein Viertel des LNG in Europa aus den USA, weitere 24 Prozent aus Katar und 20 Prozent aus Russland. Auch aus Nigeria und Algerien bezog Europa Flüssiggas, berichtet die “Tagesschau”.

Doch der Bedarf ist dieses Jahr bereits deutlich gestiegen. Nach Angaben der Brüsseler Denkfabrik Bruegel um fast 20 Milliarden Kubikmeter auf 50,4 Milliarden in den ersten vier Monaten. Dabei haben sich auch die Lieferanten verändert. So stieg bereits im Januar der Anteil der Importe aus den USA auf 50 Prozent.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein