“Lidl: Die Insider” I Doku klagt an: “Das ist natürlich Verbrauchertäuschung”

Preisschild hängt bei Lidl über der Ware

Der Einkauf kann laut der Doku aber noch aus anderem Grund überraschend teuer werden. Das verriet “David”, der sich vom Azubi zum stellvertretenden Filialleiter hochgearbeitet hat. Bei den meisten Supermärkten befindet sich das Preisschild unter der Ware. Bei Lidl hängen sie hingegen darüber. Deshalb ist es laut “David” kein Zufall, wenn die billige Eigenmarken-Schokolade direkt im Regal unter dem teuren Markenprodukt steht und der Kunde deshalb angesichts des falschen Preisschilds denkt, ein echtes Schnäppchen zu machen.

Richtig hingucken und am besten nur per Einkaufszettel einkaufen, kann bei alldem Abhilfe schaffen. “Lidl: Die Insider” warf dem Discounter aber auch perfidere Täuschungsmanöver vor. So werbe die Firma von Deutschlands angeblich reichstem Mann, “Phantom” Dieter Schwarz, auf Plakaten groß damit, die anerkannte, aber auch teure Marke “Bioland” zu führen. Von der würden letztlich aber nur wenige Produkte unter die günstigeren, unter weniger strengen Auflagen hergestellten Eigenprodukte namens “Bio Organic” gemischt und das auch noch mit täuschend ähnliche Etiketten, warf Ex-Marketingmanagerin “Ina” Lidl vor. “Die ganzen ‘Bio-Organic’-Produkte sind so gemacht, dass sie nahe an Bioland dran sind.”

Insider waren mit Masken und Perücken getarnt

Streckenweise gab sich die Doku etwas arg investigativ. Die “Insider” waren mit Masken und Perücken derart gewollt offensichtlich verfremdet, als handele es sich um ein gruseliges Zeugenschutzprogramm.

Da die Aussagen ohnehin von Sprecher nachsynchronisiert wurden, hätten die Szenen im nachgebauten Supermarkt eigentlich gleich von Schauspielern nachgestellt werden können.

Auf viele “Insider-Geheimnisse” der Doku konnte ein Verbraucher mit etwas Nachdenken und aufmerksamen Blick auch selber kommen. Und wer sich einredet, dass Tiefpreise bei Lebensmitteln mit Tierwohl, Klimaschutz und vorbildlichen Arbeitsbedingungen einhergehen, will es vermutlich gar nicht so genau wissen. Im Umkehrschluss blieb die Frage offen, ob und inwiefern es in teuren Supermärkten besser zugeht.

Zu diesen Zeiten backt Lidl

Manchmal scheint Lidl durchaus etwas richtig zu machen, was den Autor argwöhnisch werden ließ. Dass der Discounter die bei Kunden beliebteren grün-gelben Bananen verkauft, anstatt schön reifes Obst anzubieten (dann aber auch mehr wegzuwerfen), fand die Doku irgendwie verdächtig.

Als bei der Blindverkostung mit Passanten dann aber überraschenderweise jeder zweite die halbreifen Lidl-Bananen bevorzugte, zog der Autor daraus den Schluss: Offenbar hat der Discounter die Deutschen umerzogen. Dass Brötchen nicht spontan dann gebacken werden, wenn die Fächer leer sind, sondern zu bundesweit festen Uhrzeiten (laut der Doku um 7, 10.30 und 15.30 Uhr), erscheint angesichts von Arbeits- und Pausenzeiten der Kunden ebenfalls irgendwie logisch.

Weithin bekannt ist zudem die Erkenntnis, dass Lidl-Eigenmarken oft von bekannten Unternehmen hergestellt werden, deren eigenes Produkt nicht selten direkt im Regal daneben (oder darüber) steht. Die machen das laut Insiderin “Ida” aber oft nicht freiwillig. Denn wer sich weigere, riskiere die Drohung: “Dann schmeißen wir dich halt aus dem Sortiment.”

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