Energiekrise – Egal, was Putin tut: Der Winter wird teuer!

Zu Recht, sagen Sie? Was schließlich kann ich dafür, dass Russland die Ukraine angegriffen hat? Und überhaupt: Ist es nicht nur konsequent, dass die Regierung jetzt Abhilfe schafft, nachdem sie uns erst in die Abhängigkeit von Putins Gas manövriert hat?

Auf den ersten Blick mag all das stimmen. Auf den zweiten und dritten aber wird klar: Ganz so einfach ist es nicht. Die aktuelle Gaskrise lässt sich nicht allein mit mehr Geld lösen. Sondern nur, indem wir Energie sparen, uns im Alltag einschränken – vom kleinen Single-Haushalt bis zur großen Chemiefabrik.

Höhere Preise setzen Sparanreize

Denn was das Gas aktuell so teuer macht, sind rein marktwirtschaftliche Mechanismen. Drosselt der russische Staatskonzern Gazprom wie zuletzt die Gaslieferungen, ordnet Putin gar den Gasstopp an, verknappt das in Deutschland das Gasangebot. Bleibt gleichzeitig die Nachfrage nach Gas unverändert hoch, steigen die Preise, weil Millionen Kunden um ein dann rares Gut konkurrieren.

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Umgekehrt heißt das: Nur weil der Staat sich verschuldet, um (auf welchem Wege auch immer) für mehr finanzielle Spielräume seiner Bürger zu sorgen, gibt es nicht auf einmal mehr Gas, im Gegenteil. Schlimmstenfalls könnten Entlastungen auf breiter Front sogar dazu führen, dass die Nachfrage kaum fällt, während das Gasangebot weiter zurückgeht – sodass die Preise am Markt sogar noch stärker als bislang angenommen steigen würden.

Mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate heißt das: Es ist gut, dass die Energiekonzerne womöglich schon bald die stark steigenden Kosten an ihre Kunden weiterreichen dürfen, auch wenn diese eigentlich noch einen langfristigen, günstigen Liefervertrag haben.

Für Geringverdiener braucht es gezielte Hilfen

Nur dann nämlich kommt kurzfristig das zum Tragen, was Ökonomen ein “Preissignal” nennen, und in Form eines Briefes vom Energieanbieter daherkommt: “Achtung, das Gas wird teurer, ab sofort zahlen Sie dreimal so viel wie bislang. Schränken Sie also besser Ihren Verbrauch ein, drehen Sie zum Schutz Ihres Portemonnaies lieber die Heizung herunter.”

Übernähme diesen Schutz wiederum der Staat, etwa indem er den Gaspreis deckelt und die Differenz zum Marktpreis ausgleicht, verpufft dieser Effekt. Dann würde der bundesweite Verbrauch vermutlich nicht genug sinken.

Sicher, einzelnen gesellschaftliche Gruppen, die sich die hohen Preise partout nicht leisten können, muss der Staat gezielt unter die Arme greifen. Hartz-IV-Empfängern beispielsweise mittels kurzfristig angehobener Sätze, Geringverdienern, Rentnern und Studenten mit nach Einkommen gestaffelten Pauschalbeträgen und angeschlagenen Unternehmen durch das Kurzarbeitergeld.

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