Bericht | Tote bei US-Massakern: Deutsche Waffen im Spiel

Der Bund wird einen Stand auf der Waffenmesse “Shot Show” in Las Vegas aufgeben. Vorausgegangen waren Medienberichte über die Beteiligung Berlins.

Das Bundeswirtschaftsministerium offenbar jahrzehntelang für deutsche Unternehmen einen Stand auf der weltgrößten Schusswaffenmesse “Shot Show” in Las Vegas organisiert und teilweise finanziert. Damit ist jetzt Schluss. “Es wird keinen erneuten Messestand des Bundes geben”, teilte eine Ministeriumssprecherin dem Berliner “Tagesspiegel” mit.

Bund soll Teilnahmegebühr gesponsert haben

Das Ministerium reagierte damit auf gemeinsame Recherchen der Zeitung und des ZDF-“Magazin Royale” zur Unterstützung des Bundes. Deutschen Aussteller wurden demnach seit 1998 mit dem Stand auf der Messe geholfen. Nur 2021 gab es eine Ausnahme.

Den Messeverband der deutschen Wirtschaft AUMA soll die Auswahl der deutschen Firmen getroffen haben. Vor Ort wurde ein Dienstleister angeheuert, dem eine Teilnahmegebühr gezahlt werden musste, so die Recherchen. Die Endabrechnung übernahmen nach “Tagesspiegel”-Informationen aber das Wirtschaftsministerium sowie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Ein Drittel aller Angriffe mit europäischen Waffen

Dabei sollen die Aussteller nur eine Teilsumme an den Dienstleister überwiesen haben, das Ministerium wird mit dem Wort “Beteiligungspreis” zitiert. Den Rest beglichen laut Zeitungsbericht die Bundesbehörden

Die Recherche des Blattes und der ZDF-Sendung befasst sich vor allem mit den Geschäften europäischer Waffenhersteller auf dem US-Markt. Einer der größten Pistolenproduzenten der USA ist demnach die Firma Sig Sauer, deren Holding im münsterländischen Emsdetten ansässig ist und die dem US-Waffenlobbyverband NSSF 2020 nach eigenen Angaben eine halbe Million Dollar gespendet hat.

“Die Epidemie der Waffen, wie sie US-Präsident Joe Biden nannte, ist kein rein amerikanisches Problem, solange die Gewinne aus dem Waffengeschäft auch in Deutschland und Österreich landen”, sagte die USA-Korrespondentin der Zeitung, Juliane Schäuble.

Den Recherchen zufolge führten Todesschützen bei Schusswaffenangriffen in den USA in einem Drittel der Fälle Waffen europäischer Konzerne mit sich, bei Schulmassakern sogar in 45 Prozent der Fälle. So soll der Täter an der Sandy-Hook-Schule 2012 eine Sig Sauer und eine Glock bei sich getragen haben – von einem deutschen und einem österreichischen Produzenten.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein