„Doppelter Personalaufwand“

Wut über 70-Euro-Schnitzel: Jetzt reagiert der Wirt


06.10.2026 – 11:48 UhrLesedauer: 2 Min.

Das Schnitzel: Laut Wirt ist es mit 400 Gramm reinem Fleischgewicht mehr als doppelt so schwer wie ein typisches Wiener Schnitzel im Restaurant. (Quelle: Screenshot/youtube.com/@DJMosaken)

Ein besonderes Schnitzel löst Diskussionen aus. Kommentatoren bezeichnen den Preis als Frechheit. Jetzt äußert sich der Wirt.

70 Euro für ein Schnitzel am Stiel: In Wien verkauft der Praterwirt, ein bekanntes Gasthaus im 2. Bezirk, ein paniertes Stück Fleisch am Knochen – ein sogenanntes Tomahawk-Schnitzel. Nachdem ein Essenstester bei YouTube und Instagram davon schwärmte, ist eine Kontroverse losgebrochen: Kann es wirklich sein, dass diese Speise so viel Geld wert ist? Oder ist der Preis, wie es einige Kommentatoren meinen, eine „Frechheit“ und einfach nur „verrückt“?

Klar ist: Das Tomahawk-Schnitzel ist kein gewöhnliches Wiener Schnitzel. Normalerweise stammt das Kalbsfleisch aus der sogenannten Oberschale an der Innenseite des Oberschenkels. Dort ist das Fleisch besonders mager und zart. Es hat eine feine, gleichmäßige Faserstruktur und lässt sich gut dünn klopfen, ohne zu reißen. Das Tomahawk ist hingegen ein Ribeye (Entrecôte) am extra langen Rippenknochen und hat eine ausgeprägte Marmorierung durch feines, intramuskuläres Fett.

  • „Luxus und Dekadenz“: Wirt bietet Wiener Schnitzel für astronomischen Preis an

Die Kontroverse entzündete sich aber auch an der Behauptung, das 70 Euro teure und in Butterschmalz ausgebackene Tomahawk-Schnitzel reiche, um zwei Personen zu sättigen. Viele User, die das Video des Testers gesehen haben, zweifeln daran und kommentieren teils süffisant. „Vielleicht für zwei Kinder“, schreibt jemand. „Das esse ich locker zum Frühstück“, ein anderer. Und ein Dritter: „Ich bin zwei Personen.“

Praterwirt rechnet vor: So viel schwerer ist das Tomahawk-Schnitzel

Der Chef vom Praterwirt erklärt auf Anfrage von t-online jetzt seine Kalkulation: Sein Tomahawk-Schnitzel sei „deutlich dicker als ein normales Wiener Schnitzel“. Das Gesamtgewicht betrage rund 600 Gramm, 200 Gramm davon wiege der Knochen. „Somit ergibt sich ein Netto-Rohgewicht von etwa 400 Gramm“, rechnet Praterwirt-Gastronom Mile Palikukovski vor. Eine Portion Restaurantschnitzel bringe hingegen bloß rund 180 Gramm auf die Waage.

Damit hat er recht: Verschiedene Quellen nennen ähnliche Werte. Ein Wiener Schnitzel im Restaurant wirkt oft nur dadurch größer, dass es besonders dünn ist.

Wirt Palikukovski hebt hervor, dass es außerdem viel aufwendiger sei, das Tomahawk-Schnitzel zuzubereiten. „Man kann es nicht einfach zu den anderen Schnitzeln legen“, schreibt er t-online. „Es hat den doppelten Personalaufwand von zwei Schnitzeln.“ Und wer günstiger beim Praterwirt speisen wolle, finde im Übrigen auch etwas auf der Karte: Es gebe Gerichte von fünf Euro (Pommes oder Salat) aufwärts. Das klassische Wiener Schnitzel kostet mit Kartoffelsalat 32 Euro, ein Schweineschnitzel „Wiener Art“mit Pommes 19 Euro – und ein Dry Aged Steak kann je nach ausgesuchtem Stück noch viel teurer als das 70-Euro-Tomahawk-Schnitzel werden.

Share.
Die mobile Version verlassen