Ferrari erliegt der PR-Versuchung

Doch dann erlag Ferrari der großen PR-Versuchung: Vor allem durch den Unternehmenschef John Elkann und nicht durch Teamchef Vasseur vorangetrieben, verpflichtete Ferrari zur vergangenen Saison Hamilton.

Der Wechsel des Rekordweltmeisters von seinem langjährigen Erfolgsteam Mercedes zur Scuderia wurde als Coup betrachtet – und die Geschichte schien ebenfalls märchenreif: Der statistisch erfolgreichste Fahrer aller Zeiten wechselt zum erfolgreichsten Team der Formel-1-Geschichte, um dort seinen achten Titel zu gewinnen und endgültig den Rekord von Michael Schumacher zu brechen, der die letzte große Ära bei Ferrari geprägt hatte.

John Elkann (links) mit Lewis Hamilton: Der Ferrari-Boss soll die treibende Kraft hinter der Verpflichtung des siebenmaligen Weltmeisters gewesen sein. (Quelle: IMAGO/IPA Sport/ABACA/imago-images-bilder)

Das Problem: Genau diese perfekte Geschichte konkurriert nun mit der perfekten Geschichte, die man versucht hatte, um Leclerc zu spinnen. Mit dem Monegassen und Hamilton hatte der Rennstall jetzt zwei Fahrer, die den Anspruch haben, die Nummer eins im Team zu sein. Die Verpflichtung von Hamilton war deshalb strategisch ein ebenso großes Risiko, wie sie aus PR-Sicht ein Muss war.

Genau dieses Risiko scheint den Ferrari-Bossen jetzt um die Ohren zu fliegen. Nach einer Auftaktsaison, in der Hamilton sich noch an den Ferrari gewöhnen musste und zu weit hinter Leclerc zurücklag, hat der 41-Jährige mittlerweile Fuß gefasst. Die Folge: Die beiden Fahrer kommen sich immer häufiger ins Gehege.

Hitzige Duelle zwischen Hamilton und Leclerc

Schon beim zweiten Saisonrennen in China lieferten sich Leclerc und Hamilton über Runden einen erbitterten Rad-an-Rad-Kampf mit zahlreichen Überholmanövern, durch den sie am Ende leichtfertig eine Position gegen Mercedes-Pilot George Russell verschenkten. Ausgerechnet beim Heimrennen im italienischen Monza gerieten die Ferraris dann nach dem Start erstmals heftig aneinander, als Leclerc Hamilton aus der Kurve drängte und der Brite im Kiesbett zahlreiche Positionen verlor.

Der erneute Zwist in Mexiko zeigt: Ferrari bekommt die Streithähne einfach nicht in den Griff. Entsprechend sauer präsentiert sich Hamilton mittlerweile: „Der Kerl ist 29 Jahre alt, also glaube ich nicht, dass es am Alter liegt. Ich glaube, es ist eine Frage der Mentalität“, schoss er in Richtung Leclerc. „Ich hoffe, dass wir in Zukunft auf ein besseres Umfeld, ein besseres Arbeitsklima, hinarbeiten werden“, so Hamilton weiter.

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