Nach Nastassja Kinskis Kritik

Regisseur Wim Wenders äußert sich zu Nacktszene mit 13-Jähriger


30.05.2026 – 01:46 UhrLesedauer: 2 Min.

Wim Wenders: Der Regisseur wurde bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)

Nastassja Kinski möchte eine Nacktszene aus einem alten Film von Wim Wenders entfernt haben. Beim Deutschen Filmpreis meldet sich der Regisseur auf der großen Bühne selbst zu Wort.

Regisseur Wim Wenders würde eine umstrittene Nacktszene aus seinem preisgekrönten Film „Falsche Bewegung“ aus dem Jahr 1975 heute so nicht mehr drehen. Die Schauspielerin Nastassja Kinski ist in dem Film als 13-Jährige mit nacktem Oberkörper zu sehen. „Das würde ich heute nie mehr so machen“, sagte Wenders nun in Berlin, wo er beim Deutschen Filmpreis mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde.

Der „Süddeutschen Zeitung“ hatte Kinski kürzlich gesagt: „Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war.“ Dem Bericht zufolge versucht sie seit Jahren, die Szene aus dem Film entfernen zu lassen.

Bei Instagram warf die heute 65-Jährige dem Regisseur vor, sich seit Jahren nicht auf einen Dialog mit ihr einzulassen. Zu einem Foto von sich aus dem Film „Falsche Bewegung“ sprach sie ihn erst kürzlich ganz direkt an, schrieb: „Gerechtigkeit wünschte ich mir schon damals, aber wenigstens jetzt, Wim Wenders.“

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Es sei ein schwieriges Kapitel in seinem Leben, sagte Wenders nun auf der Bühne. „Ich weiß heute mehr, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten, wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren“. Seinem damaligen jungen Ich könne er keinen Vorwurf machen. Er habe einen Film in seiner Zeit gemacht.

„Wie geht man mit Filmerbe um?“

Doch es ergebe sich eine Frage, die „euch alle“ angehe, sagte Wenders an die Filmschaffenden im Publikum gerichtet: „Wie geht man mit Filmerbe um?“ Dürfe und solle man eine Szene schneiden, wenn sie einer Schauspielerin – „die ich sehr verehrt habe und verehre“ – weh tue? „Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?“ Er sei mit dieser Frage ziemlich allein. „Und ich bin auch ratlos“, fügte der Regisseur hinzu. Es sei eine moralische Frage.

Nastassja Kinski steht seit ihrer Kindheit vor der Kamera. (Quelle: ZDF)

Wenders bat die Deutsche Filmakademie um eine Diskussion zu diesem Thema, besonders mit jüngeren Leuten. „Ich möchte es nicht allein tragen.“ Angenommen, er kürze den Film, dann sei das ein Präzedenzfall, der „euch alle“ betreffe. „Dann ist es bei allen anderen Filmen später möglich. Ich möchte es diskutieren und ich möchte da nicht allein bleiben“, betonte Wenders.

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