„Bist mehr als ein Trainer“
Ex-Nationalspieler Thomas Müller schlug in eine ähnliche Kerbe wie sein Experten-Kollege: „Wenn es Jürgen wird, ist jemand da, der nicht nur die Erfahrung hat, wie er seine Mannschaft taktisch einstellt“, sagte er. „Wenn du in England Trainer bist, bist du mehr als ein Trainer“, sagte Müller in Anspielung auf Klopps Tätigkeit beim FC Liverpool, wo er auch für Transfers mitverantwortlich war. Auch in seiner jetzigen Rolle als „Global Head of Soccer“ müsse er „Mannschaften strukturieren und Strukturen in mehreren Teams formen“.
Die Aussagen kommen nicht von ungefähr: Klopp weiß zwar, dass seine Qualitäten als Trainer gefragt sind: Das DFB-Team kann seinen berühmten Vollgas-Fußball und vor allem auch seine Qualitäten als Menschenfänger nach der taktisch verkopften und kommunikativ schlechten Amtszeit von Nagelsmann gut gebrauchen. Zudem ist Klopps Ausstrahlung gefragt, wenn es darum geht, das Land nach Jahren des Misserfolgs wieder für die Nationalmannschaft zu begeistern.
Allerdings weiß der 59-Jährige auch: Nur mit Trainingsarbeit und unterhaltsamen Interviews ist die Arbeit nicht getan. Um wirklich wieder eine klare Spielidee zu entwickeln und umzusetzen, die die Mannschaft zurück in die Weltspitze bringt, braucht es grundlegendere Umwälzungen im Verband. Dazu gehören wohl auch schnellere Entscheidungsprozesse und vor allem eine bessere Nachwuchsarbeit, die wieder mehr Talente entwickelt und Spieler hervorbringt, mit denen sich die erdachte neue Spielidentität auch umsetzen lässt.
Medienberichte, dass Klopp beim DFB einen Vertrag bis 2030 bekommen soll, sprechen schon mal dafür, dass er die Aufgabe grundsätzlicher und vor allem langfristig angehen will – und auch soll. Die Schlussfolgerung ist naheliegend, dass Klopp entsprechend viele Kompetenzen an sich ziehen möchte, die ihm die angestrebte umfassende Umstrukturierung auch ermöglichen. Damit würde er in der Tradition von Jürgen Klinsmann stehen, der bei seiner Übernahme als Bundestrainer im Jahr 2004 mit Blick auf die Heim-WM zwei Jahre später alles umwälzen wollte und für sein Engagement eine „Carte Blanche“ zur Bedingung machte.
Klopp als Teamplayer
Um Ähnliches zu fordern, schien der Tisch für Klopp auch bereitet: Nach dem angekündigten Abgang von DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig zum Jahresende war eine Zeit lang auch über einen Abschied von Sportdirektor Rudi Völler spekuliert worden. Ein Abschied beider DFB-Bosse hätte ein Machtvakuum hinterlassen, das Klopp hätte füllen können. So hätte er den DFB ganz nach seinen Vorstellungen umformen können.
