Clemens Schick spielt in der finalen Staffel „Babylon Berlin“ Adolf Hitler. Der 54-Jährige erklärt im Interview, warum die Rolle für ihn ein „Geschenk“ war.

Bruno Ganz verkörperte Adolf Hitler im preisgekrönten Drama „Der Untergang“ im Jahr 2004. Ikonisch ist bis heute Charlie Chaplins Parodie in „Der große Diktator“ von 1940. Und Martin Wuttke begeisterte den US-Regisseur Quentin Tarantino derart mit einem Theaterauftritt als Adolf Hitler, dass er ihn für den Kassenschlager „Inglourious Basterds“ als Diktator anheuerte.

Wie spielt man die Inkarnation des Bösen? Und wie gelingt es, Adolf Hitler nicht nur darzustellen, sondern sich in ihn hineinzufühlen? Clemens Schick musste das für die finale Staffel „Babylon Berlin“ tun – und vollführte dafür einen Balanceakt, wie er im Interview erklärt.

t-online: Herr Schick, wie fühlt es sich für Sie als Sozialdemokrat an, Adolf Hitler zu spielen?

Clemens Schick: Da sehe ich keinen Zusammenhang. Ich bin Sozialdemokrat und ich bin Schauspieler. Wenn ich gefordert bin, eine Rolle zu spielen, hat mein Parteibuch mit meiner Arbeit nichts zu tun.

Wirklich gar nichts? Sie sind schließlich kein Schauspieler, der seine politische Haltung grundsätzlich für sich behält.

Ich engagiere mich in einer Partei, ich bin bei Human Rights Watch aktiv. Das finde ich wichtig als jemand, der ein sehr gutes Leben in einer Demokratie lebt. Aber wenn ich ein Projekt als Schauspieler anfange, bin ich erst einmal Spieler und nicht politisch unterwegs. Sozusagen bei null.

Was heißt das: bei null?

Dass meine Moral und meine Wertvorstellungen da zunächst nichts zu suchen haben. Egal, welche Rolle ich spiele. Ich versuche alles Persönliche und Private erst einmal herauszuhalten und mir die Figur von Grund auf zu erarbeiten.

Empfohlener externer Inhalt
Instagram

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Instagram-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Instagram-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Nun haben Sie Hitler aber nicht einfach nur verkörpert. Sie sagen selbst: Den jungen Hitler haben Sie „gespielt“, den Reichskanzler haben Sie „dargestellt“. Warum diese Unterscheidung?

Weil das für mich im Grunde zwei Rollen sind. Da ist zunächst der junge Mann, der aus dem Ersten Weltkrieg kommt. Bei ihm habe ich mich gefragt: Was ist das für ein Mensch, der aus diesem Krieg herauskommt? Der behauptet, er sei blind, aber nur hysterisch blind war und bei dem ein psychisches Problem diagnostiziert wurde.

Und an den späteren Diktator wollten Sie nicht mehr auf diese Weise heran?

Nein. Dem Reichskanzler habe ich mich komplett von außen genähert. Ich habe seine Stimme sehr genau studiert und Stimmtraining gemacht, um diese spezielle Stimme zu finden, die er benutzt, beziehungsweise sich antrainiert hat. Ich habe sehr viele Dokumentationen geschaut, seinen Gang, seine Bewegungen und seine Kopfhaltung studiert. Dazu kamen am Ende drei Stunden in der Maske, in denen ich auch äußerlich massiv verändert wurde.

Share.
Die mobile Version verlassen