
Insbesondere in der Zeit der Corona-Pandemie hat sich dieses Problem verschärft, es ist ein Problem der gesamten Generation. Fast die Hälfte der Menschen zwischen 16 und 30 Jahren fühlt sich einsam, zeigt eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung. Hartleb betont: „Jugendliche sperren sich teilweise im Kinderzimmer ein, der Zugang ist dann nicht mehr da. Lehrerinnen und Lehrer wissen oftmals nicht, was gerade ‚abgeht‘.“
Deshalb müsse man den Jugendlichen zuhören, sich genau mit den vermeintlichen Vorbildern beschäftigen und diese notfalls durch Aufklärung entlarven. Meist gebe es noch Möglichkeiten, einzugreifen. Schließlich erfolge die Radikalisierung nicht über Nacht.
Die Studie spricht zwar von „Blitzradikalisierungen“, weil sich manche Täter in weniger als einem Jahr zum Terroristen entwickelt haben sollen, Hartleb aber hält den Begriff für falsch. „Das verharmlost das Problem.“ Es sei meist ein längerer Zeitraum, in dem sich die Jugendlichen immer mehr der Szene zuwenden.
Es gibt also viel zu tun, das weiß auch das LKA. In dem Bericht schlussfolgert die Behörde, es brauche eine stärkere länderübergreifende Zusammenarbeit, mehr statistische Erfassungen sowie mehr Präventivprogramme und Jugendtherapieplätze. Hartleb hält die Empfehlungen derweil für „etwas dürftig“, es benötige ein Ad-hoc-Programm.
Seine Empfehlung: „Wir brauchen die Fachkenntnis der Jugendlichen. Man kann sie nur mit ihren eigenen Mitteln schlagen. Dazu müssen wir ihre Lebenswelt erforschen. Teenager-Terrorismus kann sich nur durch Teenager verhindern lassen.“ Dazu müsse man direkt auf die Jugend zugehen, Praktika anbieten und mit Influencern kooperieren, die die Phänomene der jungen Generation besser verstehen.
Doch wie geht es weiter, wenn die Jugendlichen bereits in die Szene abgedriftet sind und Straftaten begangen haben? Der Bericht zeigt sich optimistisch, denn ein Großteil habe an Wiedereingliederungsmaßnahmen teilgenommen.