
Einfluss der Darmflora
Organe im Austausch: Das steckt hinter der Darm-Leber-Achse
16.01.2026 – 11:12 UhrLesedauer: 3 Min.
Darm- und Lebergesundheit hängen voneinander ab. Welche Rolle die Darmflora dabei spielt und was all das für Sie bedeutet, erfahren Sie hier.
Leber und Darm arbeiten eng zusammen: Das Blut nimmt Nährstoffe, Schadstoffe und gegebenenfalls medikamentöse Wirkstoffe aus dem Darm auf und transportiert sie über die Pfortader zur Leber. Als zentrales Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan ist diese dafür zuständig, die Substanzen zu verwerten beziehungsweise unschädlich zu machen. Zugleich produziert die Leber die Galle, welche in den oberen Dünndarm fließt und dort hilft, Fette aus der Nahrung zu zerlegen und aufzunehmen.
Doch es gibt noch einen weiteren Weg, über den die beiden Organe miteinander im Austausch stehen: das Mikrobiom im Darm, auch Darmflora genannt.
Über die Pfortader gelangen mit dem Blut auch Stoffe zur Leber, die vom Darmmikrobiom gebildet werden, also von den im Darm lebenden Mikroorganismen. Studien zeigen, dass Veränderungen der Darmflora mit Lebererkrankungen in Zusammenhang stehen: Menschen mit nicht-alkoholischer Fettleber (NAFLD) oder Leberzirrhose unterscheiden sich in ihrem Darmmikrobiom von gesunden Personen. Je weiter fortgeschritten die Lebererkrankung, desto deutlicher spiegelt sich das in der mikrobiellen Besiedlung des Darms wider.
Zum einen ist bei beiden Lebererkrankungen die Vielfalt der Darmflora vermindert – ein Zeichen dafür, dass das bakterielle Gleichgewicht im Darm gestört ist. Zum anderen sind bei den Betroffenen weniger „gute“ und mehr „schlechte“ Bakterienarten zu finden. Als gesundheitsfördernd geltende Bakterien, die wichtig für eine stabile Darmschleimhaut und die Produktion entzündungshemmender Stoffe sind, gehen zurück. Bakterienarten, die mit Entzündungsreaktionen und Infektionen in Verbindung stehen, nehmen zu.
Ob diese Veränderungen die Erkrankungen verursachen oder sich erst im Verlauf entwickeln, ist nicht abschließend geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass sich Darm- und Leberveränderungen gegenseitig verstärken.
Der Austausch zwischen Darm und Leber ist keine Einbahnstraße. Auch die Leber beeinflusst die Darmgesundheit – vor allem über die Galle. Diese wirkt nicht nur an der Fettverdauung mit, sondern beeinflusst auch die Zusammensetzung der Darmflora sowie Prozesse des Immunsystems in der Darmschleimhaut.
Eine gesunde Leber trägt über die Bildung von Gallensäuren zum mikrobiellen Gleichgewicht im Darm und einer funktionsfähigen Darmschleimhaut bei. Ist die Leberfunktion eingeschränkt, kann sich die Zusammensetzung der Gallensäuren – der sogenannte Gallensäurepool – verändern. Studien an Menschen mit chronischen Lebererkrankungen deuten darauf hin, dass solche Veränderungen mit einer Verschiebung der Darmflora einhergehen.
Zudem legen Untersuchungen nahe, dass bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen die Darmschleimhaut durchlässiger werden kann („leaky gut“). In diesem Fall können bakterielle Bestandteile leichter in den Blutkreislauf gelangen, was Entzündungsreaktionen begünstigt.
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die die Zusammensetzung der Darmflora positiv beeinflussen sollen. Ob sie bei Lebererkrankungen helfen, ist noch nicht ausreichend untersucht. Erste Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Präparate einzelne Leberwerte oder Symptome bei Menschen mit Lebererkrankungen leicht verbessern können. Ausreichende Belege für einen deutlichen und langfristigen Nutzen gibt es jedoch nicht. Auf Grundlage des aktuellen Forschungsstandes sind Probiotika bei Lebererkrankungen somit nicht zu empfehlen, erst recht nicht als Ersatz für eine ärztliche Behandlung.