Manche Menschen können anscheinend so viel essen wie sie wollen und werden trotzdem nicht dick. Andere hingegen ernähren sich ähnlich und nehmen dennoch zu.

Woran das liegt, glauben Forscher der Universität Lübeck herausgefunden zu haben. In einer Studie untersuchten sie die Zusammenhänge von Darm und Gewicht. Dabei kamen sie zum Ergebnis: Ob Menschen bei gleicher Ernährung schneller zunehmen als andere, hängt in starkem Maße von ihrer Darmflora ab.

Für ihre Studie entnahmen die Forscher Stuhlproben von 150 Testpersonen über einen Zeitraum von zwei Wochen. Daraufhin analysierten sie die Darmflora (Mikrobiom), indem sie die darin enthaltenen Darmbakterien bestimmten. Während der gesamten Testphase nahmen alle Teilnehmer die gleichen Mahlzeiten zu sich und das nur zweimal am Tag. Anschließend wurde ihr Blutzuckerspiegel gemessen.

Dabei zeigte sich, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien Einfluss auf den Anstieg des Blutzuckerspiegels und somit auch auf das Gewicht hatte. Das erklärt nach Ansicht der Forscher auch, warum einigen Probanden trotz identischer Kalorienzufuhr das Abnehmen leichter gelang als anderen. Aus ihren Ergebnissen hoffen sie nun, Ernährungstypen zu definieren, um Übergewichtigen gezieltere Ernährungsempfehlungen zu geben. Die Darmflora im Verdauungstrakt könnte hierbei der Schlüssel zu einer individuellen Ernährungstherapie sein.

Ein „artenreiches“ Mikrobiom wirkt sich positiv auf das Gewicht aus: Je unterschiedlicher nämlich die Darmbakterien sind, desto besser funktionieren die Verdauungsvorgänge. Bereits 2013 hatten zwei Ernährungswissenschaftler (Stanislav Dusko Ehrlich vom Französischen Institut für agrarwissenschaftliche Forschung (INRA) in Jouy en Josas und Oluf Pedersen von der Universität Kopenhagen) in einer Zwillings- und Familienstudie herausgefunden, dass bei geringer Bakterienvielfalt im Verdauungstrakt die Wahrscheinlichkeit für Fettleibigkeit und Insulin-Resistenz steigt.

Mithilfe der Darmflora können die Bakterien den Appetit über mehrere Botenstoffe beeinflussen. Der Bakterienmix ist aber auch dafür verantwortlich, wie viele Kalorien aus der Nahrung gezogen werden und ob bestimmte Enzyme aktiviert werden, die Fettpolster anlegen.

Bei Menschen mit vielfältiger Darmflora sind gesundheits- und verdauungsfördernde Bakterien wie beispielsweise Bifidobakterien und Laktobazillen in der Mehrzahl. Bei den Menschen mit geringer Vielfalt im Verdauungstrakt dominieren dagegen die Bakterienarten Bacteroides, Parabacteroides und Bakterien, die mit Entzündungsreaktionen des Körpers in Verbindung stehen. Auch Firmicutes-Bakterien überwiegen bei Übergewichtigen. Firmicutes haben die Eigenschaft, dass sie Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate, die eigentlich unverdaulich sind, abbauen können. Dadurch entstehen im Darm viele kleine Kohlenhydrate, viel mehr als in einem Darm mit einem optimalen Bakterienverhältnis. Diese kleinen Kohlenhydrate nimmt der Mensch dann zusätzlich zu seinen gegessenen Kalorien auf.

Typische Symptome einer gestörten Darmflora sind:

Allerdings ist eine gestörte oder eintönige Darmflora kein Schicksal. Über eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten lässt sie sich aufbauen. Welche Bakterien sich im Darm vermehren, beeinflusst die Nahrung. So reduziert zum Beispiel Salz die gesunden Milchsäurebakterien, weshalb eine salzarme Ernährung eine gesunde Darmflora fördern kann. Auch Fett tut der Darmflora nicht gut.

Wer abnehmen möchte, sollte daher einseitige Crash-Diäten vermeiden und auch bei reduzierter Nahrungsaufnahme darauf achten, dass die Ernährung ausgewogen, abwechslungsreich und ballaststoffreich bleibt. Folgende Ernährungstipps unterstützen die Darmflora beim Abnehmen:

Zudem benötigen die schlankmachenden Darmbakterien Präbiotika (spezielle Pflanzenfasern), um zu wachsen. Reichlich enthalten sind diese unter anderem in Nahrungsmitteln wie Hülsenfrüchten, Pastinaken, Schwarzwurzeln, Endiviensalat und Lauchgemüse.

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