Rutten soll die Linie seines Vorgängers fortsetzen. Das passt zu Curaçao. Rutten muss also kein neues Projekt bauen. Er muss das vorhandene Gerüst turnierfest machen. Seine Erfahrung wird dabei hilfreich sein. Rutten arbeitete bei Twente, PSV, Feyenoord und in Deutschland auf Schalke. Er kennt Umfelder, in denen er schnell Stabilität herstellen musste. Genau das braucht Curaçao vor der WM.

Mit Schalke übernahm Rutten 2008 einen Champions-League-Teilnehmer, geriet aber schnell unter Druck, als die Ergebnisse ausblieben. Der Klub hielt zunächst am Trainer fest, obwohl die sportliche Entwicklung bereits in die falsche Richtung ging. Am Ende fehlte es weniger an einzelnen Ideen als an Stabilität im Gesamtgefüge. Für Curaçao ist genau das der Unterschied: Rutten muss kein großes Projekt moderieren, sondern ein funktionierendes System stabilisieren.

Curaçao wird bei der WM nicht versuchen, Gegner wie Deutschland oder Ecuador über Ballbesitz zu kontrollieren. Das Grundsystem dürfte ein 4-2-3-1 oder ein 4-3-3 sein. Die erste Pressinglinie lenkt den Aufbau nach außen. Dahinter schließen die Mittelfeldspieler die Halbräume. Curaçao wird versuchen, die gefährlichen Räume zu verdichten, um den Gegnern das Leben schwer zu machen.

Bei eigenem Ballbesitz sucht die Auswahl keine langen Passfolgen. Der erste Blick geht nach vorn. Die Brüder Juninho und Leandro Bacuna sollen nach Ballgewinn den ersten Kontakt sichern. Dann folgen Pässe in die Tiefe oder auf die Flügel. Tahith Chong und Sontje Hansen sind dafür wichtig: Sie können nach Balleroberungen Tempo aufnehmen, Gegenspieler binden und versuchen, im Eins-gegen-Eins an ihnen vorbeizukommen.

Problematisch wird es, wenn das misslingt. Wenn Curaçao zweite Bälle nicht gewinnt, wird die Abwehr dauerhaft nach hinten gedrückt. Gegen Deutschland kann das gefährlich werden, weil dann Abschlüsse aus dem Rückraum und aus Standardsituationen folgen.

Offensiv können Standards wichtig werden. Curaçao hat körperlich robuste Spieler und mehrere Profis, die in europäischen Ligen mit hoher Intensität gespielt haben. Freistöße aus dem Halbfeld, Einwürfe in Strafraumnähe und zweite Bälle nach Ecken sind realistische Wege zu Chancen. Aus dem geordneten Spiel heraus wird es gegen die Gruppengegner deutlich schwerer.

Curaçao spielt die erste Fußball-WM in der Geschichte des Landes.

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