Depressionen sind bei Diabetikern häufig

Diabetesbezogene psychische Erkrankungen treten sowohl bei Typ-1-Diabetes als auch bei Typ-2-Diabetes auf – unabhängig vom Alter der Betroffenen. Angaben der Deutschen Diabetes-Hilfe e. V. zufolge haben Menschen mit Diabetes ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, an depressiven Störungen zu erkranken. Schätzungen zufolge betreut jeder Hausarzt im Durchschnitt 20 Menschen mit Diabetes, die gleichzeitig an einer Depression erkrankt sind. Lediglich bei zehn Patienten sei die Depression diagnostiziert und in nur sechs Fällen werde sie ausreichend behandelt, so die Diabetes-Experten.

Wenn Angststörungen die Zuckerkrankheit begleiten

Neben Depressionen zählen Angsterkrankungen zu den häufigen psychiatrischen Begleiterkrankungen bei Diabetes. Angststörungen treten bei Diabetes-Betroffenen etwa 20 Prozent häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Ängste, etwa vor Folgeerkrankungen oder einer Hypoglykämie (Unterzuckerung), führen oft zu einem ausgeprägten Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten – was sich unter Umständen zu einer Angststörung weiterentwickeln kann. Mögliche Angststörungen von Diabetes-Betroffenen sind beispielsweise:

  • Agoraphobie: Furcht, das Haus zu verlassen und öffentliche Plätze aufzusuchen oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.
  • Soziale Phobie: Angst vor sozialen Situationen und Kontakten.
  • Panikstörung: plötzliche, nicht vorhersehbare Angstattacken ohne erkennbare Ursache.
  • Generalisierte Angststörung: generelle Gefühle von Angst und Unsicherheit in fast allen Lebensbereichen.

Depression erschwert Diabetes-Therapie

Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind für die Betroffenen nicht nur eine erhebliche Mehrbelastung. Sie beeinflussen auch die Diabetes-Therapie ungünstig. Betroffene mit depressiven Symptomen leiden unter Antriebslosigkeit, Interessenverlust und negativen Gedanken – Faktoren, die eine konsequente Diabetesbehandlung erschweren. Die mögliche Folge: Die Blutzuckerwerte sind schlecht eingestellt, was wiederum das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht, aber auch die Depression verstärken kann.

Ängste beeinflussen den Blutzucker

Hinzu kommt, dass psychischer Stress eine körperliche Wirkung auf den Blutzucker hat. Bei Angst oder Sorgen schüttet der Körper Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Diese Hormone bewirken, dass die Leber mehr Glukose ins Blut freisetzt und gleichzeitig die Wirkung von Insulin gehemmt wird. Der Blutzuckerspiegel steigt – unabhängig davon, ob die Person gegessen hat oder nicht.

Bei länger andauerndem psychischen Stress, wie er bei Depressionen typisch ist, werden die Blutgefäße dauerhaft durch diese Stresshormone belastet. Das fördert Entzündungsreaktionen in den Blutgefäßen und kann unter Umständen das Auftreten von Folgeerkrankungen beschleunigen.

Schulungen für Menschen mit Diabetes

Spezielle Diabetesschulungen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich Betroffene sicherer und weniger überfordert im Umgang mit der Erkrankung fühlen. In den Schulungen lernen Menschen mit Diabetes unter anderem, wie sie ihre Messgeräte richtig bedienen, Blutzuckerwerte auswerten, mit Medikamenten und Insulinspritzen umgehen und bei Unter- oder Überzuckerungen richtig reagieren. Das gibt ihnen Stabilität und Selbstvertrauen zurück.

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