Ende für beliebten Familienvan

Wie der VW Touran einen Werkstattbesitzer reich machte


29.03.2026 – 08:32 UhrLesedauer: 3 Min.

Touran: VW kam spät mit dem Kompaktvan, landete mit ihm aber einen Volltreffer. (Quelle: Hersteller-bilder)

Ein neues VW-Modell, das fast so heißt wie er selbst: Warum ein Hamburger Werkstattbesitzer dafür eine sechsstellige Summe bekam.

Seit Mitte März ist der VW Touran nicht mehr bestellbar. Nach rund 23 Jahren endete damit die erfolgreiche Geschichte des Familienvans. Rund 2,5 Millionen Exemplare liefen in dieser Zeit vom Band. Was viele nicht wissen: Als das Modell auf den Markt kam, machte es einen Werkstattbesitzer aus Hamburg unerwartet wohlhabend.

Die Geschichte beginnt in den Siebzigerjahren. Mehmet Turan baute sich ab 1972 in Hamburg Schritt für Schritt eine Existenz auf – zunächst mit verschiedenen Jobs, später mit einer eigenen Autowerkstatt. Aus dem kleinen Betrieb entwickelte sich ein Unternehmen mit mehreren Angestellten.

Ende der 1990er-Jahre übernahm sein Sohn Ali die Geschäftsführung. Die Werkstatt mit dem Namen „Turan Motor’s“ (sic!) hatte sich einen festen Kundenstamm aufgebaut, vor allem unter Besitzern älterer Mercedes-Modelle. Doch mit dem wachsenden Renommee kam auch ein Problem: „Unseren guten Ruf wollten andere Türken nutzen und kopierten unseren Namen schamlos“, sagte Turan 2002 der „Auto Bild“.

Um sich dagegen zu schützen, ließ er den Namen, der in der Türkei eher ein Allerweltsname ist, im Dezember 2000 als Marke eintragen – für rund 1.200 Euro. Eine Entscheidung, die sich wenig später als entscheidend erweisen sollte.

Im März 2002 meldete sich Volkswagen bei Turan. Zunächst per Fax, später auch per Brief. Der Konzern plante ein neues Modell – und wollte es „Touran“ nennen. Für Turan klang das zunächst nicht nach einem ernsthaften Anliegen. „Ich dachte, Freunde spielen uns einen Streich“, sagte er später.

Eine Gegenleistung hatte VW war anfangs offenbar nicht vorgesehen. Doch der Konzern stand vor einem Problem: Obwohl sich die Schreibweise unterschied, war die klangliche Nähe zwischen „Turan“ und „Touran“ groß, was einen Rechtsstreit mit hohen, unkalkulierbaren Folgekosten hätte verursachen können. Das wollte man in Wolfsburg offenbar vermeiden und versuchte es erst einmal mit Dreistigkeit: Je nach herangezogener Quelle bot VW für die Rechte an einem Namen, der später millionenfach auf den Straßen zu sehen sein würde, entweder gar nichts oder einen Neuwagen.

Doch Turan ließ sich davon nicht beeindrucken. Nach und nach erhöhte Volkswagen das Angebot schrittweise von wenigen Tausend Euro auf bis zu 30.000 Euro. Turan blieb zurückhaltend. „Mein Name ist mir einfach mehr wert“, sagte er der Straßenzeitung „Hinz&Kunzt“.

Statt sich auf schnelle Gespräche einzulassen, fuhr er zunächst in den Urlaub. Auch dort riss der Kontakt nicht ab: Vertreter von Volkswagen meldeten sich telefonisch, teilweise sogar auf Türkisch. Turan schaltete schließlich einen Anwalt ein, die Gespräche gingen in mehrere Verhandlungsrunden.

Am Ende stand eine Einigung, deren Details nicht vollständig öffentlich sind. Fest steht: Turan erhielt eine sechsstellige Summe. Die „Auto Bild“ berichtet darüber hinaus, Volkswagen habe zusätzlich Fahrzeuge gestellt: zwei Touran sowie einen Touareg mit V10-Dieselmotor.

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