
Benz Patent-Motorwagen wird 140
Die heimliche Fahrt, die das Auto rettete
10.01.2026 – 08:13 UhrLesedauer: 2 Min.
Carl Benz erfand das Auto, doch die Welt ignorierte ihn. Erst eine heimliche Fahrt seiner Frau Bertha rettete das Patent vor dem Scheitern. Warum der deutsche Erfolg erst in Paris begann und wie ein Dreirad die Kutschen besiegte.
Zwei Tüftler verändern im Jahr 1886 die Welt, doch niemand schaut hin. Während Carl Benz in Mannheim sein dreirädriges „Velociped“ patentieren lässt und Gottlieb Daimler in Cannstatt eine Kutsche motorisiert, feiert das Publikum stattdessen die Eisenbahn. Das neue Gefährt ohne Pferde hingegen galt als Spielzeug für Reiche. Wer fahren wollte, kaufte Benzin damals flaschenweise in der Apotheke. Denn Tankstellen gab es natürlich nicht. So drohte die Neuheit schon bald in der Garage zu verstauben.
Denn bereits zwei Jahre nach der Erfindung kommt der Verkauf ins Stocken. Da greift Bertha Benz ein. Ohne das Wissen ihres Mannes setzt sie sich im August 1888 mit ihren Söhnen in den Wagen. Sie fährt 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim und zurück. Es ist die erste Fernfahrt der Geschichte. Zeitungen berichten darüber, das Vertrauen wächst. Und die Tat wirkt fort: Um 1900 entstehen die ersten „Chauffeusen“. Diese fachkundigen Fahrerinnen begleiteten Damen, die nicht allein mit männlichen Chauffeuren reisen wollten.
Obwohl das Auto von Deutschen erfunden wurde, erkannte Frankreich dessen Wert zuerst. Auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1889 bescherten Benz und Daimler dem Motorwagen den Durchbruch. Daimler verkauft Lizenzen seines V2-Motors an Panhard & Levassor und an Peugeot. 1891 beweist Peugeot die Kraft der Maschine, als ein Wagen 2.000 Kilometer quer durch Frankreich fährt. 1894 folgt das erste Rennen der Welt von Paris nach Rouen. Den Preis gewinnen Fahrzeuge, die den „Benzinmotor, erfunden von Herrn Daimler aus Württemberg“, nutzen.
Auf kurze Sicht geht Daimler leer aus. Aber der Visionär blickt in die Ferne. Und behält Recht. Er sagt die „Mobilisierung der Menschheit zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ voraus. Benz hingegen baut für den Massenmarkt. 1894 bringt er das Modell „Velo“ auf den Markt. Es ist das erste Auto der Welt, das in einer vierstelligen Serie produziert wird. 1.200 Einheiten verlassen das Werk. Mit einem Preis von 2.000 Mark ist der Wagen nicht mehr nur für Millionäre erschwinglich. Während spätere Konkurrenten noch experimentieren, macht der „Velo“ das Auto in Europa zum Verkehrsmittel.
Die Rivalität der Pioniere endet erst spät. Gottlieb Daimler stirbt im März 1900, kurz bevor der erste moderne Mercedes debütiert. Carl Benz erlebt noch mit, wie das Fließband die Fabriken erobert. 1926 fusionieren die Konkurrenten zur Daimler-Benz AG. Es ist die Vereinigung zweier Visionen. Die ohne den Mut einer Frau womöglich nie Realität geworden wären.