Wenn Tote zum Fest geladen sind

Ahnenritual auf Madagaskar

Tote ausgraben und feiern: Weshalb Familien ihre Verstorbenen regelmäßig umbetten


Aktualisiert am 07.01.2026 – 21:00 UhrLesedauer: 2 Min.

Große Feier in Madagaskar: Umbettung der Ahnen beim Famadihana. (Quelle: Saveoursmile (Hery Zo Rakotondramanana) / Wikimedia Commons)

Das Ahnenritual in Madagaskar heißt Famadihana. Bei der Bestattungszeremonie werden Tote ausgegraben und gefeiert. So geht das Fest vonstatten.

Famadihana ist ein Ahnenritual in Madagaskar. Beim berühmten Totenumbettungsfest graben Familien ihre Verstorbenen aus und feiern sie. Hier wird erläutert, was der Sinn der traditionellen Bestattungszeremonie ist und wie sie abläuft.

In Madagaskar gibt es viele Sitten und Gebräuche, zu denen auch das Totenumbettungsfest Famadihana gehört. Diese regelmäßige Umbettung der Verstorbenen zählt zu den bedeutendsten Ahnenritualen des Landes. Es steht für:

Famadihana ist eine kostspielige Feierlichkeit. Bei diesem Fest kommen die Familien und Gemeinschaften zusammen, um die Verstorbenen zu ehren. Die Ahnen werden symbolisch wieder in das Leben gerufen. Der Tod wird als kein endgültiger Abschied, sondern Übergang und fortwährende Verbindung zwischen den Generationen angesehen.

Das Ritual umfasst verschiedene Phasen:

Alle paar Jahre öffnen die Madagassen die Gräber der Vorfahren und holen ihre Knochen hervor. Die Lebenden und Toten werden einander vorgestellt. Die Nachfahren sprechen zu den Ahnen und erzählen Wichtiges aus den letzten Jahren, um die Verstorbenen daran teilhaben zu lassen.

Bei der Zeremonie bereitet die Familie am ersten Tag ein großes Festmahl vor und beginnt die Feierlichkeiten. Meist gibt es auch viel Alkohol. Dazu zählt Toaka Gasy, ein selbst gebrannter Rum.

Die Überreste der Vorfahren werden am zweiten Tag in neue Tücher (Lamba) eingewickelt und die Körper tanzend zu Fanfarenmusik um das Grab herumgetragen. Nach dem lebendigen Fest werden die Gebeine in neue, oft kostbar bestickte Leinentücher eingeschlagen und wieder bestattet.

Das Ahnenritual in Madagaskar geht vermutlich auf das 17. bis 18. Jahrhundert zurück, beruht aber auf älteren Bestattungstraditionen. Die Zeremonien finden in der trockenen Winterzeit, zwischen Juni bis September, statt und werden oftmals durch Träume ausgelöst: Die Ahnen erscheinen kalt. Dies signalisiert, das neue Tücher notwendig sind.

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