Nationaler Bildungsbericht
Weniger Kinder, viele Baustellen – Bildung bleibt Krisenfall
Aktualisiert am 15.06.2026 – 15:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Seit dem sogenannten Pisa-Schock wurden im Bildungssystem immer neue Reformen angesetzt. Viele Probleme sind allerdings geblieben – oder neu dazu gekommen.
Trotz vieler Reformen bleibt das deutsche Bildungssystem in der Krise. Wie aus dem nationalen Bildungsbericht hervorgeht, wird es wegen sinkender Kinderzahlen zwar absehbar bald weniger Gedränge in Kitas und Schulen geben. Doch bleiben viele Hürden, darunter Sprachschwierigkeiten, soziale Ungleichheiten oder auch der Umgang mit Digitalisierung und KI. Am Ende verfehlen zu viele – und immer mehr – junge Leute „grundlegende Kompetenzstandards“ und Bildungsabschlüsse, wie es im Bericht heißt.
„Das Bildungssystem steht heute vor diversen Herausforderungen, die sich überlagern und gegenseitig verstärken“, sagte Mitautor Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, der den Bericht „Bildung in Deutschland 2026“ gemeinsam mit Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) vorstellte. Es habe viele Veränderungen gegeben, so etwa den Ausbau der Ganztagsbetreuung und der frühen Bildung. Was fehle, sei eine abgestimmte Steuerung.
„Wir reden hier über eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte auch Bundesministerin Prien. „Schule allein wird diese große Herausforderung, die wir da zu stemmen haben, nicht lösen können.“ Gefordert seien alle von den Familien über Kita, Kindertagespflege bis zur Kinder- und Jugendhilfe.
Der Bericht „Bildung in Deutschland“ erscheint seit 20 Jahren alle zwei Jahre als umfassende Bestandsaufnahme von der Kita bis zur Hochschule und Handlungsgrundlage für Bund und Länder. Einige wichtige Erkenntnisse:
Kitas
„Erstmalig ist im Jahr 2024 die Zahl der betreuten Kinder in Deutschland vor allem infolge des Geburtenrückgangs gesunken“, heißt es im Bericht. Im Osten gebe es diese Entwicklung schon seit 2020, nun gelte sie auch für Kinder unter drei Jahren in Westdeutschland. Doch hätten viele Eltern Bedarf, und der Anteil der betreuten Kinder steige noch leicht, die Lage sei regional unterschiedlich.
Für Prien ist die frühkindliche Bildung die entscheidende Stelle für die gesamte Bildungslaufbahn. „Die Bildungsschere ist zu, wenn ein Kind auf die Welt kommt, und sie öffnet sich dann bis zur Einschulung und dann wird sie nur noch unwesentlich geschlossen“, sagte Prien. Sie plädierte erneut für verbindliche Sprachtests und frühe Sprachförderung schon im Kitaalter und will dazu noch vor der Sommerpause auch einen Gesetzentwurf vorlegen.
Grundschule
Laut Bildungsbericht ist auch in den Grundschulen wegen sinkender Geburtenzahlen und einer abnehmenden Fluchtmigration mittelfristig mit weniger Schülerinnen und Schülern zu rechnen. „Diese Entwicklung wird ab dem Schuljahr 2027/28 zunächst im Primarbereich und später im Sekundarbereich erwartet.“ Das bedeute aber nicht automatisch Entlastungseffekte. Der Anspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule, der nächstes Schuljahr bei Erstklässlern greift, erhöhe „Ressourcenbedarfe“, schreiben die Autorinnen und Autoren.
