„Viele wurden erschlagen“

Massengrab auf deutscher Ostseeinsel entdeckt


10.05.2026 – 09:20 UhrLesedauer: 2 Min.

Koserower Seebrücke (Archivbild): Auf dem Friedhof des Ostseebads wurden die Überreste gefunden. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Volker Rauch)

Die Toten lagen Schulter an Schulter. Einigen waren Gliedmaßen abgesägt worden, andere hatten zertrümmerte Schädel. Auf Usedom haben Helfer Opfer aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.

81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges haben Helfer der Kriegsgräberfürsorge einen erschütternden Fund auf der Ostseeinsel Usedom gemacht: Auf dem Friedhof von Koserow öffneten sie in Zusammenarbeit mit der Gemeinde vorsichtig eine Grabstätte – und entdeckten dort die sterblichen Überreste von 42 Menschen.

In drei langen Gräben habe man die Gebeine gefunden, sagte Joachim Kozlowski vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge der Deutschen Presse-Agentur. „Schulter an Schulter“ hätten die Toten gelegen.

Vor Ort hatte ein Grabstein auf die „unbekannten Opfer des Zweiten Weltkrieges“ hingewiesen. Laut Kozlowski war davon ausgegangen worden, dass dort sechs Menschen beigesetzt worden waren. Aber dann habe es eine vage Aussage gegeben, dass möglicherweise mehr Opfer in der Grabstätte liegen könnten. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge startete eine Untersuchung, um mehr Informationen über die Toten herauszubekommen. „Dass es dann am Ende 42 wurden, damit hat keiner von uns gerechnet“, erklärte Kozlowski.

In der Grabstätte fanden die Helfer neben Männern und vergleichsweise vielen Frauen auch tote Kinder: Das Alter der Opfer zum Zeitpunkt des Todes reicht laut Kozlowski von etwa 12, 14 und 16, bis in den Bereich von 70 Jahren. Insgesamt seien zehn Erkennungsmarken gefunden worden, etwa die einer Marinehelferin.

Einige der Menschen wurden vermutlich vor ihrem Tod in einem Lazarett behandelt. „Es gab Menschen mit frischen Amputationsverletzungen, wo man beispielsweise eben Gliedmaßen abgesägt hatte“, sagte Kozlowski. „Also es waren durchweg sehr deutliche Zeichen dafür, dass es sich dabei zweifelsfrei um Kriegstote handelt.“

Neben Schussverletzungen sei die Schwere der Verletzungen an einigen Schädeln auffällig. „Es gab wirklich viele Rückschlüsse auf erhebliche stumpfe Gewalt gegen den Kopf“, erklärte der 54-Jährige. „Ich gehe davon aus, dass viele dieser Menschen tatsächlich erschlagen worden sind.“

Der Volksbund widmet sich im Auftrag der Bundesregierung unter anderem der Aufgabe, Kriegstote zu suchen und zu bergen, sie würdig zu bestatten und ihre Gräber zu pflegen. Dabei hilft er teils auch, den Verbleib von Kriegsopfern aufzuklären. Anhand etwa der Erkennungsmarken können etwa Anfragen, die von Angehörigen ans Bundesarchiv gestellt wurden, beantwortet werden.

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