Bei den Grünen stößt ein möglicher Posten Palmers in der Landesregierung auf große Ablehnung. Allein die Überlegung geht vielen zu weit. In der Partei ist man der Auffassung, dass auch jemand wie Cem Özdemir einen Boris Palmer nicht händeln könne. Unberechenbar sei der Boris. Die gemeinsamen Auftritte im Wahlkampf hat man in der Partei schweigend hingenommen. Man wollte Özdemir bei der Wahl nicht hineinpfuschen. Aber sollte Özdemir Palmer wirklich zum Minister oder Berater machen, dürfte es großen Widerstand geben.
Schon jetzt sprechen sich prominente Grüne wie die Co-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katharina Dröge, öffentlich gegen ein Ministeramt für Palmer aus. Co-Parteichef Felix Banaszak drückte es zuletzt diplomatisch aus. „Ich glaube, es gibt gute Gründe, warum er nicht mehr Mitglied bei den Grünen ist.“ Es gebe da eine „Entfremdung“. Auch wenn Banaszak es nicht direkt sagt, ist das als Ansage gegen einen Posten für Palmer in der Landesregierung zu verstehen.
Auch die linke Parteijugend ließ kurz nach dem Wahlsieg wissen: „Die Haltungen und wiederholten rassistischen Äußerungen des ehemaligen Grünen-Mitglieds Boris Palmer sind mit den Grundwerten unserer Partei unvereinbar.“ Das gelte auch auch für eine Landesregierung mit Beteiligung der Grünen, heißt es in einem Papier der Grünen Jugend. „Weder Ministeramt noch Beraterrolle kommen für ihn infrage.“
Palmer dürfte die Aufregung um seine Person gelegen gekommen. Denn über wen gesprochen wird, der steht im Scheinwerferlicht. Und ein Showman ist Palmer. So saß er am Dienstagabend bei „Maischberger“ in der ARD. Dort teilte er ordentlich gegen Banaszak aus. „Ich kenn den gar nicht. Ich habe noch nie mit dem gesprochen. Ich kenne den nur aus dem Fernsehen“, spottete er über den Parteichef, der dem linken Flügel bei den Grünen angehört. Wenn Banaszak mal herausfinden wolle, wie er wirklich ticke, dann lade er ihn nach Tübingen ein, so Palmer weiter.
Ein Sprecher der Grünen sagte am Mittwoch auf Anfrage von t-online knapp, dass auf absehbare Zeit keine Termine für Felix Banaszak in Tübingen anstünden. Im Gespräch mit t-online betonte Palmer, dass es sich durchaus um eine „ernsthafte Einladung“ handele, die er bei „Maischberger“ ausgesprochen habe. Um zu verstehen, wie man erfolgreich ökologische Politik auf Kommunalebene mache, wäre es gut, wenn Banaszak mal vorbeikommen würde, so Palmer.

